Vor der für kommende Woche angesetzten Brexit-Abstimmung im britischen Parlament hat sich Königin Elisabeth II. zu Wort gemeldet. Ohne den Brexit explizit zu erwähnen, mahnte sie in einer Ansprache dazu, Streitigkeiten gütlich beizulegen. Normalerweise kommentiert das Staatsoberhaupt keine politischen Ereignisse.

Jede Generation stehe vor neuen Herausforderungen und Möglichkeiten, sagte die britische Königin. "Wenn wir in der heutigen Zeit nach neuen Antworten suchen, bevorzuge ich die bewährten Rezepte wie: gut übereinander sprechen, verschiedene Sichtweisen respektieren, zusammenkommen, um Gemeinsamkeiten zu erkunden, und niemals das große Bild aus den Augen verlieren." Diese Ansätze seien "zeitlos und ich empfehle sie allen". 

Britische Medien wie etwa der Fernsehsender BBC interpretierten das als eine politische Botschaft. Schon in ihrer Weihnachtsansprache hatte die Königin zu mehr Respekt trotz großer Differenzen aufgerufen. Auch das werteten Kommentatoren als Anspielung auf die Brexit-Streitereien.

Als Staatsoberhaupt pflegt die 92-jährige Monarchin eigentlich eine neutrale Haltung in politischen und öffentlichen Fragen – auch wenn sie sich gelegentlich doch einschaltet, so etwa 2014 beim gescheiterten schottischen Unabhängigkeitsreferendum. Damals appellierte sie an die Schotten, sie sollten doch genau über ihre Zukunft nachdenken.

Zu ihren Äußerungen in Norfolk wollte sich der Buckingham-Palast nicht äußern. Auch ein Sprecher von Premierministerin Theresa May lehnte eine Stellungnahme ab, sagte aber, dass nach Auffassung der Regierungschefin die Meinung anderer stets respektiert werden sollte. Für die Times stand jedoch fest, welche Botschaft Elisabeth den "sich bekriegenden Politikern" vermitteln wollte: "Beendet die Brexit-Fehde", titelte die Zeitung. Großbritannien will sich am 29. März von der Europäischen Union trennen. Doch das mit Brüssel ausgehandelte Abkommen wurde in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit vom Parlament abgelehnt. Am kommenden Dienstag will May über einen Plan B debattieren und abstimmen lassen.