Der frühere Chef der Kaffeehauskette Starbucks, Howard Schultz, wird womöglich bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten. Er erwäge eine Kandidatur als unabhängiger Kandidat der Mitte, sagte Schultz dem Sender CBS. Schultz betonte, er sei sein Leben lang Demokrat gewesen. Demokraten wie Republikaner versagten aber darin, die für das amerikanische Volk notwendigen Schritte zu gehen und seien in einer Politik der gegenseitigen Rache gefangen.

Der New York Times sagte Schultz, er habe bereits mit den Vorbereitungen begonnen, um in allen 50 Staaten an der Wahl teilnehmen zu können. In den kommenden drei Monaten wolle er durch die USA reisen, bevor er eine endgültige Entscheidung treffe. "Wir haben ein kaputtes politisches System, in dem beide Parteien grundsätzlich im Geschäft sind, um ihre eigene Ideologie zu bewahren, ohne Anerkennung und Verantwortung, die Interessen des amerikanischen Volks zu vertreten", sagte Schultz.

Unabhängige Kandidaten haben in den USA nur geringe Chancen auf die Präsidentschaft, sie können aber den Wahlausgang beeinflussen, indem sie einer oder beiden großen Parteien Stimmen wegnehmen. Die Demokraten fürchten durch Schultz eine Schwächung im Rennen um die Präsidentschaft. David Axelrod, ein früherer Berater von Ex-Präsident Barack Obama, drängte Schultz zum Verzicht. Auch Ex-Wohnungsbauminister Julian Castro sagte dem Sender CNN, dass sich Trump im Falle einer unabhängigen Schultz-Kampagne "beste Hoffnungen" auf eine Wiederwahl machen könne. Castro will bei der Wahl selbst für die Demokraten antreten.

"Mich beunruhigt, dass so viele Stimmen in der Demokratischen Partei so weit nach links gehen"

Schultz hatte sich im vergangenen Sommer von der Starbucks-Spitze zurückgezogen. Er war seit 1982 für die Cafékette tätig und hatte das Unternehmen über vier Jahrzehnte zu einer Weltmarke ausgebaut. Der 65-Jährige war in der Vergangenheit immer wieder als möglicher Präsidentschaftskandidat im Gespräch.

Der Milliardär unterstützte als Spender unter anderem die Kampagnen von Obama, Hillary Clinton und dem New Yorker Senator Chuck Schumer. Vor Starbucks-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern sagte er etwa, Donald Trump stifte als Präsident "Chaos" und schade dem Geschäft. Die von den Republikanern durchgesetzten Steuerkürzungen für Konzerne bezeichnete er als unnötig und fahrlässig. Nachdem Trump per Dekret ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern verfügt hatte, stellte er demonstrativ 10.000 Flüchtlinge ein.

Aber Schultz kritisierte auch Vorschläge vonseiten der Demokraten. "Mich beunruhigt, dass so viele Stimmen in der Demokratischen Partei so weit nach links gehen", sagte er dem TV-Sender CNBC im Juni vergangenen Jahres. Als die demokratischen Senatorinnen Elizabeth Warren und Kamala Harris, die für die US-Präsidentschaft kandidieren wollen, eine hohe Besteuerung von Reichen oder eine kostenlose College-Ausbildung forderten, bezeichnete der Unternehmer das als unrealistisch. Zum Abbau der nationalen Verschuldung sei ein größerer Spielraum für die Wirtschaft nötig.