Im Streit um das Verbot atomarer Mittelstreckenraketen hat Außenminister Heiko Maas Russland aufgefordert, die Reichweite seiner neuen Marschflugkörper offenzulegen. "Sich lediglich eine Rakete anzuschauen, wird nicht genügen", sagte er nach einem Treffen mit US-Außenminister Mike Pompeo in Washington.

Die Nato wirft Russland vor, mit seinen neuen Raketen vom Typ 9M729 gegen das mehr als 30 Jahre alte Verbot bodengestützter atomarer Mittelstreckenraketen zu verstoßen. US-Präsident Trump will deswegen den sogenannten INF-Vertrag zum 2. Februar kündigen, falls die russische Regierung nicht einlenkt. Maas sieht sich in dem Streit als Vermittler.

Der Vertrag verbietet Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Die Regierung in Moskau sagt, dass die Reichweite der 9M729 knapp unter 500 Kilometern liegt, und hat auch eine Sichtung der Waffen angeboten. Die USA haben das bisher abgelehnt.

Auch Maas ist der Meinung, dass das Angebot Moskaus noch nicht weit genug geht. Der Vertrag gebe klare Anforderungen vor, wie die gegenseitige Kontrolle auszusehen habe. "Bisher ist Russland nicht bereit gewesen, die vollständige Transparenz herzustellen", sagte Maas. "Die Erwartungen liegen auf dem Tisch und Russland ist nach wie vor am Zug." An diesem Freitag tagt der Nato-Russland-Rat zu dem Thema.

Deutschland will UN-Beobachter nach Jemen schicken

Der INF-Vertrag war aus deutscher Sicht das Hauptthema des nur vierstündigen Besuchs des Außenministers in Washington. Daneben ging es um die Konflikte im Jemen und in Syrien. Maas kündigte an, dass Deutschland sich mit Beobachtern an der UN-Mission zur Überwachung der Waffenruhe in der jemenitischen Hafenstadt Hudaida beteiligen werde. Er sagte aber noch nicht, welche Personalstärke vorgesehen ist.

Der UN-Sicherheitsrat hatte in der vergangenen Woche grünes Licht für die vorerst auf sechs Monate angelegte Mission in dem Bürgerkriegsland gegeben. Es sollen insgesamt 75 unbewaffnete Beobachter dorthin geschickt werden. Dabei kann es sich um Polizisten, Verwaltungsbeamte oder auch Militärberater handeln.

Im Jemen bekämpfen sich Regierungstruppen und schiitische Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. 2015 griff eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz auf Regierungsseite in den Bürgerkrieg ein.

Unter Vermittlung der Vereinten Nationen haben sich die Konfliktparteien inzwischen auf eine Feuerpause für das lange Zeit heftig umkämpfte Hudaida geeinigt. Der Ort am Roten Meer ist für die Versorgung des Landes von zentraler Bedeutung.

Mit der Waffenruhe ist die Hoffnung auf eine Entspannung der dramatischen humanitären Lage in dem Land auf der Arabischen Halbinsel verbunden. Nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg erlebt der Jemen den UN zufolge die schwerste humanitäre Krise der Welt. Millionen Menschen müssen hungern, 250.000 droht der Hungertod. 

Noch am Mittwochabend reiste Maas nach New York weiter. Dort wird er am Freitag zum ersten Mal an einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats teilnehmen, in einer Sitzung zum Thema Klimaschutz. Deutschland gehört dem wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen seit dem 1. Januar für zwei Jahre an.