Der Streit zwischen Frankreich und Italien um die Migrationspolitik in Europa spitzt sich zu. Der italienische Innenminister Matteo Salvini bezeichnete den französischen Staatschef Emmanuel Macron als einen "schrecklichen Präsidenten". Macron "redet viel, aber erreicht nicht viel", sagte der rechtsgerichtete Vizeregierungschef. "Er erteilt Lektionen in Großzügigkeit, aber weist dann Tausende Migranten an der Grenze zu Italien zurück." Er hoffe deshalb, dass die Franzosen ihm bei der Europawahl im Mai einen Denkzettel verpassen.

Die französische Regierung reagierte verärgert: "Meine Antwort ist, dass es nicht unsere Absicht ist, einen Wettstreit zu führen, wer der Dümmste ist", sagte Europaministerin Nathalie Loiseau. Salvinis Äußerungen seien unnütz und unfreundlich. "Wir haben in Frankreich einen Ausdruck, der sagt, dass Überzogenes unbedeutend ist. Wenn Äußerungen gleichzeitig wegen ihres Tons und ihrer Zahl überzogen sind, werden sie unbedeutend." 

"Erlaubt dennoch die Stimmung alle Ministerbesuche, als ob nichts ist?"

Loiseau drohte mit diplomatischen Konsequenzen. Frankreich wolle weiter mit dem Nachbarn Italien zusammenarbeiten, sie schränkte aber ein: "Erlaubt dennoch die Stimmung alle Ministerbesuche, als ob nichts ist?" Sie werde nach Italien reisen, wenn sich das Klima beruhigt habe. 

Auslöser des Disputes war Italiens zweiter Vizeregierungschef Luigi Di Maio. Dieser hatte Frankreich vorgeworfen, faktisch noch immer Kolonien in Afrika zu unterhalten, von der Armut dort zu profitieren und damit Migranten auf den Weg übers Mittelmeer nach Europa zu treiben. Nur den afrikanischen Kolonien habe Frankreich seine weltwirtschaftliche Stellung zu verdanken, sagte der Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung am Sonntag. Das französische Außenministerium bestellte daraufhin am Montag die italienische Botschafterin ein.

Italiens rechtspopulistische Regierung hat in den vergangenen Monaten wiederholt Macrons Regierung attackiert. Rom fährt in der Flüchtlingspolitik einen restriktiven Kurs und weigert sich, Flüchtlinge aufzunehmen, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden.