Rund fünf Monate vor der Europawahl hat Italiens Innenminister Matteo Salvini bei einem Besuch in Polen für ein neues Europa geworben. "Polen und Italien werden Teil des neuen europäischen Frühlings sein, der Renaissance europäischer Werte", sagte der Chef der in  Teilen rechtsextremen Lega auf einer Pressekonferenz mit dem polnischen Innenminister Joachim Brudziński. "Das Europa, das im Juni (nach der Europawahl) Gestalt annehmen wird, wird uns alle führen – statt jenes, das heute existiert und von Bürokraten regiert wird." Die Länder würden ein Gleichgewicht zur jahrelangen Dominanz der deutsch-französischen Achse herstellen.

Salvini traf sich in Warschau auch mit Jarosław Kaczyński, dem Chef der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS. "Wir haben einen Dialog begonnen", sagte Salvini zum Abschluss der eintägigen Reise. PiS-Sprecherin Beata Mazurek twitterte nach dem Treffen mit Kaczyński, die Gespräche hätten den Weg zu weiteren Kontakten eröffnet, es seien aber auch Differenzen zwischen Lega und PiS hervorgehoben worden. 

Laut Italiens Zeitung La Repubblica sprach Salvini in Polen auch über ein mögliches Bündnis zur Europawahl Ende Mai. Der Italiener ist für seinen Anti-Migrations-Kurs bekannt. Auch Polens nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Vorbehalte der Polen gegen Salvinis Pro-Russland-Kurs könnten eine Zusammenarbeit jedoch erschweren. 

Im EU-Parlament gehört die PiS der EU-skeptischen Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) an, in der auch frühere AfD-Abgeordnete und die britische Konservative Partei mitarbeiten. Die Lega ist Teil der rechtspopulistischen Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF), der unter anderem ein einst für die AfD gewählter Abgeordneter und die französische Rassemblement National von Marine Le Pen angehören.