Kongo - Oppositionskandidat Tshisekedi gewinnt Präsidentenwahl Mit mehr als sieben Millionen Stimmen ist Félix Tshisekedi Sieger der Präsidentschaftswahl im Kongo. Oppositionskandidat Martin Fayulu zweifelte das Ergebnis allerdings an. © Foto: Kenny-Katombe Butunka/Reuters

Im Kongo hat der Oppositionskandidat Félix Tshisekedi überraschend die Präsidentenwahl gewonnen. Damit wird er den seit 17 Jahren regierenden Joseph Kabila als Präsident ablösen. Tshisekedi habe 38,57 Prozent der Stimmen erhalten, erklärte die nationale Wahlkommission Céni. Erkennen die anderen Kandidaten ihre Niederlage an, wäre es der erste friedliche Machtwechsel in der Demokratischen Republik Kongo seit rund 50 Jahren.

Die Veröffentlichung der Wahlergebnisse war ursprünglich für Sonntag geplant, wurde jedoch wegen logistischer Probleme verschoben. 39 Millionen Bürger waren bei der historischen Wahl am 30. Dezember zur Stimmabgabe aufgerufen. Für den Sieg genügte eine einfache Mehrheit.

Der Wahlkommission zufolge habe Tshisekedi mehr als sieben Millionen der 18 Millionen abgegebenen Stimmen bekommen. Auf dem zweiten Platz landete demnach mit über sechs Millionen Stimmen der zweite Oppositionskandidat Martin Fayulu. Die Partei von Kabila stellte den früheren Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary als seinen Nachfolgekandidaten auf, da er selbst nicht wieder antreten durfte. Shadary kam nur auf gut vier Millionen Stimmen. 

Der unterlegene Fayulu zweifelte kurz nach Bekanntgabe das amtliche Ergebnis an: Die Resultate seien "ein wahrer Wahlputsch". "Die Ergebnisse haben nichts mit der Wahrheit der Wahlurne zu tun", sagte Fayulu dem Sender Radio France Internationale. Er forderte dazu auf, die tatsächlichen Ergebnisse der Abstimmung vom 30. Dezember zu veröffentlichen. Fayulu hatte bereits im Vorfeld vor Wahlbetrug gewarnt. Das Verfassungsgericht hat 14 Tage Zeit, um das Ergebnis zu bestätigen. Wahlbeobachter hatten zahlreiche Unregelmäßigkeiten gemeldet.

Der Kandidat der unterlegenen Regierungspartei, Shadary, hat dem offiziellen Wahlsieger hingegen gratuliert. Die Verkündung von Tshisekedis Sieg sei "der Wille des Volkes", ließ Shadary durch eine Sprecherin mitteilen.

Die Präsidentschaftswahl hätte laut Verfassung eigentlich schon vor zwei Jahren stattfinden müssen. Der bisherige Präsident Kabila hatte sich jedoch 2016 nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit geweigert abzutreten und ließ die Wahlen mehrmals verschieben. Proteste ließ er niederschlagen. Die EU verhängte daraufhin im Dezember 2016 und im Mai 2017 Sanktionen.