Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Panos Kammenos angekündigt, sich einer Vertrauensabstimmung im Parlament zu stellen. Das teilte er am Sonntagmittag mit.

Tsipras plant, bis zu den Parlamentswahlen im Oktober dieses Jahres mit den Stimmen von unabhängigen Abgeordneten und Parlamentariern kleinerer Parteien weiterzuregieren. Der bisherige Koalitionspartner, die rechtspopulistische Partei der Unabhängigen Griechen (Anel) von Kammenos, verfügt im griechischen Parlament nur über sieben Sitze und war in den vergangenen vier Jahren bei allen wichtigen Entscheidungen der Mehrheitsbeschaffer für den Premier.

Kammenos hatte am Sonntagmorgen mitgeteilt, aus der Regierung auszutreten, weil er den neuen Namen Nord-Mazedonien für das Nachbarland nicht mittragen könne. Es sei ihm unmöglich, sein Amt weiter auszuüben, teilte der Anel-Chef mit. Auch die anderen Regierungsmitglieder seiner Partei würden sich zurückzuziehen, sagte er nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten.

"Die Mazedonienfrage erlaubt es mir nicht, meinen Posten nicht zu opfern", sagte Kammenos. "Ich habe dem Ministerpräsidenten für die Zusammenarbeit gedankt und ihm erklärt, dass wir wegen dieser nationalen Angelegenheit nicht weitermachen können."

Für die Namensänderung reicht die einfache Mehrheit

Die Syriza-Partei von Tsipras kommt auf 145 Sitze im Parlament und ist für eine Mehrheit in der 300 Sitze umfassenden Kammer auf die Abgeordneten der Anel angewiesen. Parlamentswahlen müssen in Griechenland bis Oktober abgehalten werden. Bei der bevorstehenden Abstimmung über die Zustimmung zur Namensänderung Mazedoniens reicht allerdings die einfache Mehrheit. Die dürfte Tsipras nach Einschätzung von Beobachtern dank der Stimmen mehrerer Oppositionsabgeordneter sicher sein.

Anel-Chef Kammenos lehnt das Abkommen mit Mazedonien, das im vergangenen Jahr unterzeichnet worden war, seit Langem ab. Auch die wichtigste Oppositionspartei Nea Dimokratia ist gegen die Vereinbarung. Hinter dem jahrelangen Namensstreit stand die Furcht Athens, der Nachbarstaat könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben.

Am Freitag hatte das mazedonische Parlament in Skopje der Namensänderung des Landes in "Republik Nordmazedonien" zugestimmt. Das Parlament in Athen muss die Namensänderung ebenfalls ratifizieren, damit sie wirksam werden kann. Sie soll der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik den Weg in die Europäische Union ebnen.