In der serbischen Hauptstadt Belgrad haben am Mittwochabend Tausende Menschen an einem Gedenkmarsch für den ermordeten kosovo-serbischen Oppositionspolitiker Oliver Ivanović teilgenommen. Vor genau einem Jahr war Ivanović in der serbischen Enklave Kosovska Mitrovica auf offener Straße erschossen worden. Er galt als einer der wichtigsten serbischen Politiker im Kosovo.

Die Demonstranten zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Wir sind noch mehr". Der Schauspieler Branislav Trifunović sagte in einer Ansprache: "Nach einem Jahr wissen wir immer noch nicht, wer Oliver Ivanović getötet hat." Es sei aber ein politischer Mord gewesen.

Die Protestbewegung gegen den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić hatte zu dem Schweigemarsch aufgerufen. Seit sechs Wochen gehen Gegner des Präsidenten an jedem Samstag auf die Straße. Sie werfen Vučić vor, autoritär zu regieren und die Opposition, die Medien und die Zivilgesellschaft mundtot zu machen.

Ivanović war Gründer und Präsident der Bürgerinitiative "Freiheit, Demokratie, Recht" in Kosovska Mitrovica. Er lag in Konflikt mit der örtlichen kosovo-serbischen Führung und deren Hintermännern in der lokalen Mafia sowie mit der Belgrader Regierung. Ein Jahr vor seiner Ermordung war bereits sein Auto in Brand gesetzt worden. Wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg war Ivanović 2016 zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde jedoch nach zwei Jahren aufgehoben. Ivanović wird vorgeworfen, im Jahr 1999 Morde an Albanern in Mitrovica in Auftrag gegeben zu haben. 

Die Stadt Mitrovica ist seit der Unabhängigkeit des Kosovo 2008 zweigeteilt. Im serbischen Teil Kosovska Mitrovica lebt etwa ein Drittel der serbischen Bevölkerung im Kosovo. Die Enklave wird weitgehend von lokalen Serben mit Belgrader Rückendeckung kontrolliert und gilt bis zu einem gewissen Grad als gesetzlos.