Nach dem Messerangriff auf Danzigs Bürgermeister haben Zehntausende Menschen in Polen Abschied von Paweł Adamowicz genommen. Unter den 3.500 Trauergästen in der Marienkirche der nordpolnischen Stadt waren zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen der Politik, unter ihnen Polens Präsident Andrzej Duda, Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, Solidarność-Mitbegründer und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa sowie der EU-Ratspräsident und ehemalige polnische Regierungschef Donald Tusk. Auch zahlreiche Bürgermeister aus dem In- und Ausland nahmen an der Zeremonie teil. Für Deutschland war Altbundespräsident Joachim Gauck angereist.

Nach Angaben der Polizei folgten 45.000 Menschen der Zeremonie auf mehreren Leinwänden vor der Kirche und in der Innenstadt. Die Gedenkfeier wurde auch in zahlreichen weiteren polnischen Städten übertragen. Für ganz Polen war Staatstrauer ausgerufen worden; Nationalfahnen hingen auf halbmast oder trugen Trauerflor.

Danzigs katholischer Erzbischof Slawoj Leszek Głódź nannte während der fast dreistündigen Trauerfeier die Tötung Adamowiczs ein "schockierendes Verbrechen", das Millionen Herzen erschüttert habe, so der Erzbischof. Der Papst habe ihm Rosenkränze für die Witwe und die beiden Töchter des Bürgermeisters geschickt.

Witwe hofft auf Ende der "Welle des Hasses"

Seine Witwe, Magdalena Adamowicz, sagte in der Marienkirche, sie hoffe, dass die "Welle des Hasses" ende und der Tod ihres Mannes zu einer moralischen Erneuerung der Gesellschaft beitrage.

Adamowicz war über 20 Jahre Danziger Bürgermeister gewesen und am vergangenen Sonntag während einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf offener Bühne niedergestochen worden. Einen Tag später erlag der 53-Jährige seinen schweren Verletzungen. Gegen den 27-jährigen mutmaßlichen Angreifer, einen vorbestraften Mann, ermitteln die Behörden wegen Mordes. Als Motiv wurde Rache für eine gegen ihn verhängte Haftstrafe vermutet.

Der parteilose Adamowicz hatte sich während seiner Amtszeit für die Aufnahme von Flüchtlingen in Danzig eingesetzt. Außerdem hatte er Aktionen gegen die Versuche der regierenden PiS-Partei, die Kontrolle über die Justiz zu übernehmen, unterstützt. Die liberal-konservative Bürgerplattform (PO), die von 2007 bis 2015 die Regierung stellte, hatte Adamowicz bei der Wahl 2018 unterstützt, die er mit zwei Dritteln der Stimmen gewonnen hatte.

"Ein Mann, der mit Tausenden Danzigern diese große, stolze und freie Stadt baute"

Am Freitagabend war der Sarg von Adamowicz in einem Trauerzug zur Marienkirche gebracht worden, auch daran hatten Tausende Menschen teilgenommen. Zudem hatten Zehntausende Menschen in den vergangenen Tagen stundenlang Schlange gestanden, um den mit weißen Blumen und der roten Flagge der Stadt Danzig bedeckten Sarg zu sehen und sich im Kondolenzbuch des Europäischen Solidarność-Zentrums einzutragen.

PO-Chef Grzegorz Schetyna hatte am Mittwoch im polnischen Parlament gesagt, es sei der Hass gewesen, der seinen früheren Parteifreund getötet habe, ein "gut organisierter, verrückter Hass auf einen Mann, der mit Tausenden Danzigern diese große, stolze und freie Stadt baute".