US-Präsident Donald Trump soll seinen langjährigen Anwalt Michael Cohen aufgefordert haben, vor dem US-Kongress über ein geplantes Bauprojekt in Russland zu lügen. Das berichtete das Nachrichtenportal BuzzFeed News unter Berufung auf zwei Ermittler, die an einer Untersuchung des Vorfalls beteiligt seien. Mit der Anweisung zur Lüge habe Trump Geschäftsbeziehungen nach Moskau während des Wahlkampfs 2016 verschleiern wollen, hieß es. Der Präsident selbst wies die Anschuldigung zurück. Cohen lüge, um seine Gefängnisstrafe zu reduzieren, schrieb Trump auf Twitter.

Konkret geht es um den über mehrere Jahre geplanten Bau eines Trump-Towers in der russischen Hauptstadt. Cohen hatte bereits im November vor dem US-Bezirksgericht in New York zugegeben, vor dem Kongress gelogen zu haben. Er habe 2017 falsche Angaben zum Zeitpunkt der Verhandlungen über das Bauprojekt gemacht, damit sie in Einklang mit Trumps politischer Botschaft erschienen seien. Cohen hatte sich zu Beginn des Prozesses auch schuldig bekannt, Steuern hinterzogen und Schweigegeld bezahlt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis.

Im Kongress hatte Cohnen gesagt, das Tower-Projekt sei im Januar 2016 beendet worden. Nach seiner neuen Darstellung wurde es bis Juni 2016 fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Trump die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner schon sicher.

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Dem BuzzFeed-Bericht zufolge hat Cohen nun in Gesprächen mit dem Büro von Sonderermittler Robert Mueller ausgesagt, dass Trump ihn persönlich angewiesen habe, zu lügen. Der US-Präsident habe damit seine Beteiligung verschleiern wollen. Das Team des Sonderermittlers habe durch Aussagen von Zeugen aus der Trump-Organisation sowie durch E-Mails, Textnachrichten und andere Dokumente von der Anweisung erfahren.

Die US-Demokraten reagierten empört. Der Abgeordnete Adam Schiff sagte, die Vorwürfe seien die bislang schwerwiegendsten gegen den Präsidenten. "Wir werden tun, was notwendig ist, um herauszufinden, ob sie wahr sind", schrieb der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus auf Twitter.

Der demokratische Abgeordnete Joaquin Castro brachte wegen der Vorwürfe sogar ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Spiel. "Wenn der BuzzFeed-Bericht stimmt, muss Präsident Trump zurücktreten oder es muss ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet werden", schrieb er auf Twitter. Die Hürden für das Gelingen eines solchen Verfahrens sind allerdings sehr hoch.