Nur wenige Stunden, nachdem das Onlineportal BuzzFeed News mit einem schwerwiegenden Vorwurf gegen Donald Trump für Wirbel gesorgt hatte, hat US-Sonderermittler die Spekulationen gebremst: Der Bericht über Trumps Ex-Anwalt sei schlichtweg "nicht richtig".

"BuzzFeeds Beschreibung bestimmter Stellungnahmen gegenüber dem Büro des Sonderermittlers und die Charakterisierung von Dokumenten und Aussagen, die dieses Büro erhalten hat, in Bezug auf Michael Cohens Aussage vor dem Kongress sind nicht korrekt", heißt es am Freitagabend in der Stellungnahme von Muellers Sprecher, Peter Carr. Eine Reaktion Muellers auf Medienberichte ist äußert ungewöhnlich.

Das Onlineportal hatte zuvor unter Berufung auf zwei anonyme Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden berichtet, Trumps früherer Anwalt Michael Cohen habe den Präsidenten bezichtigt, ihn zum Meineid vor dem Kongress angestiftet zu haben. Muellers Ermittler erfuhren dem Bericht zufolge unter anderem "über Interviews mit mehreren Zeugen aus der Trump Organization und interne E-Mails des Unternehmens" von Trumps mutmaßlicher Anweisung.

BuzzFeed News verbreitete die Stellungnahme des Mueller-Büros selbst über seinen Twitter-Kanal. Chefredakteur Ben Smith hielt jedoch dagegen: Das Portal bleibe bei der Darstellung und stehe sowohl zu den Recherchen wie auch zu den genutzten Quellen. Mueller müsse klarstellen, was genau denn falsch gewesen sein soll, betonte Smith.

Trump warf Cohen in einer Twitter-Nachricht am Freitag vor, er lüge, "um seine Gefängnisstrafe zu reduzieren". Auch Präsidentensprecher Hogan Gidley bezeichnete Cohen als ausgewiesenen "Lügner". Die Vorwürfe seien "lächerlich" und entbehrten "jeglicher Belege und Glaubwürdigkeit", sagte Gidley dem Fernsehsender Fox News.

Steckt Trump hinter Cohens Lügen?

Cohen hatte im November zugegeben, den Kongress angelogen zu haben, um zu verbergen, dass er noch bis Juni 2016 über das Immobilienprojekt Trump Tower in Moskau verhandelt hatte – also zu einem Zeitpunkt, als Trump bereits so gut wie sicher als republikanischer Präsidentschaftskandidat feststand. Vor den Ausschüssen hatte er ausgesagt, das Trump-Tower-Projekt sei bereits im Januar 2016 beendet worden, also noch vor Beginn der republikanischen Vorwahlen. Die Chronologie ist insofern hoch brisant, als es darum geht, ob Trump noch in einer fortgeschrittenen Phase seines Wahlkampfes Geschäftsinteressen in Russland verfolgte – die wiederum seine politische Haltung gegenüber Moskau beeinflusst haben könnten. Trump hat "Geschäfte" in Russland immer wieder bestritten. Vor Gericht erklärte Cohen, er habe aus Loyalität zu Trump gelogen.

Cohen gab gegenüber den Ermittlern auch zu, dass er häufiger mit Trump über das Moskau-Projekt beraten habe als ursprünglich von ihm angeführt. Der Anwalt arbeitete mehr als zehn Jahre lang für Trump und galt als einer von dessen wichtigsten Problemlösern und engsten Vertrauten. Er verfügt über erhebliches Insiderwissen über die geschäftlichen und privaten Verhältnisse des Präsidenten. Cohen wurde zu drei Jahren Haft verurteilt; er soll am 7. Februar vor dem Ausschuss für Aufsicht und Reform des Repräsentantenhauses aussagen.

Vor der Mitteilung von Muellers Büro hatte der Bericht von BuzzFeed News in Washington für erhebliche Aufregung gesorgt. Der neue Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Adam Schiff, kündigte an: "Wir werden alles tun, was nötig ist, um herauszufinden, ob das wahr ist." Einige Demokraten sagten, sollte der Bericht wahr sein, sollte Trump des Amtes enthoben werden.

Nach der Mitteilung von Muellers Büro schrieb Trump bei Twitter, es sei "ein sehr trauriger Tag für den Journalismus, aber ein großartiger Tag für unser Land". Trumps Anwalt Rudy Giuliani schrieb bei Twitter, er lobe das Büro von Mueller dafür, "die falsche BuzzFeed-Geschichte korrigiert zu haben". Er rief die Presse auf, "zur Kenntnis zu nehmen, dass ihr hysterischer Wunsch, diesen Präsidenten zu zerstören, zu weit gegangen ist".

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Mueller untersucht seit Mai 2017 die mutmaßlichen russischen Einmischungen zugunsten Trumps in den Wahlkampf 2016 und mögliche diesbezügliche Absprachen zwischen dem Trump-Team und Moskau. Auch geht er dem Verdacht nach, Trump habe nach seinem Amtsantritt die Ermittlungen zu der Russland-Affäre zu behindern versucht.