In Belgrad haben erneut Tausende Serbinnen und Serben gegen ihren Präsidenten Aleksandar Vučić protestiert. Medienberichten zufolge riefen sie dabei Parolen wie "Verrat, Verrat" und "Vučić ist ein Dieb". Auch in der zweitgrößten Stadt des Landes, Niš, beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an einem Protestmarsch.

Es war bereits der sechste Samstag in Folge, an dem Regierungsgegner in der serbischen Hauptstadt auf die Straße gingen. Die Demonstrantinnen und Demonstranten werfen Vučić vor, autoritär zu regieren und die Opposition, die Medien und die Zivilgesellschaft mundtot zu machen.

Die Proteste hatten nach einem schweren Angriff auf einen Oppositionspolitiker im November begonnen. Der Vorsitzende der Serbischen Linken, Borko Stefanović, war Ende November in der südserbischen Stadt Kruševac angegriffen worden. Die Täter wurden später gefasst. Vučić verurteilte den Anschlag. Die Oppositionellen machen aber weiterhin den Präsidenten dafür verantwortlich. Sie werfen ihm vor, mit seiner aggressiven Rhetorik gegen Kritiker und Oppositionelle zu einem Klima der Gewalttätigkeit im Land beizutragen. Die Regierung toleriere Gewalt gegen Kritiker.

Für den kommenden Mittwoch riefen die Initiatoren der Proteste zudem zu einer Gedenkkundgebung für den ermordeten kosovo-serbischen Politiker Oliver Ivanović auf. Der Kritiker von Vučić war am 16. Januar 2018 in der serbischen Enklave Kosovska Mitrovica auf offener Straße erschossen worden. Der Täter ist bis heute unbekannt.