Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa will das gewaltsame Vorgehen von Militär und Polizei gegen Demonstranten untersuchen lassen. Vor einer Woche waren bei Protesten der Opposition mindestens zwölf Menschen getötet worden. "Gewalt und Fehlverhalten unserer Sicherheitskräfte sind inakzeptabel und ein Betrug am neuen Simbabwe", schrieb Mnangagwa auf Twitter. "Fehlverhalten wird untersucht. Wenn nötig, werden Köpfe rollen."

Gleichzeitig warf Mnangagwa den Demonstranten vor, durch "mutwillige Gewalt und zynische Zerstörung" die Lage verschärft zu haben. "Jeder hat das Recht zu protestieren, aber das war kein friedlicher Protest." Rund um die Kundgebungen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung hatte es Ausschreitungen und Plünderungen gegeben.

Simbabwe steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit zehn Jahren. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Lebensmittel, Bargeld und Medikamente sind knapp. Als die Regierung den Benzinpreis verdoppelte, brachen in der vergangenen Woche Proteste los. 

Die Einsatzkräfte gingen mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben des Menschenrechtsforums in dem südafrikanischen Land wurden mindestens zwölf Menschen getötet und 78 weitere wegen Schussverletzungen behandelt. In mehr als 240 Fällen sei es zu Körperverletzungen und Folter gekommen. Rund 700 Menschen seien festgenommen worden. Um weitere Unruhen zu verhindern, ließ die Regierung zeitweise das Internet abschalten.

Mnangagwa sagt Besuch in Davos ab

Die Menschenrechtskommission Simbabwes, die von der Regierung unterstützt wird, sprach von acht dokumentierten Todesfällen und teilte mit, die Regierung habe nichts aus dem letzten Sommer gelernt. Sie kritisierte das Vorgehen des Militärs, und dass es scharfe Munition gegen die Demonstranten eingesetzt hatte.

Schon nach der Präsidentenwahl im Juli vergangenen Jahres hatten Einsatzkräfte Proteste der Opposition gewaltsam niedergeschlagen und dabei mehrere Menschen getötet. Eine Untersuchungskommission warf ihnen Fehlverhalten vor. Personelle Konsequenzen gab es nicht.

Wegen der aufgewühlten Stimmung in seinem Land sagte Mnangagwa kurzfristig seine Teilnahme am Wirtschaftsforum in Davos ab. Zur Anhebung der Benzinpreise – dem Auslöser der Ausschreitungen – schrieb er, dies sei "keine Entscheidung, die wir leichtfertig getroffen haben" gewesen. Sie sei aber richtig gewesen. "Was darauf folgte, war bedauerlich und tragisch." International war das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte scharf verurteilt worden.

Laut der Organisation Anwälte für Menschenrechte nahm die Polizei am frühen Morgen Japhet Moyo nur wenige Stunden nach seiner Freilassung erneut fest. Moyo ist der Generalsekretär des wichtigsten Gewerkschaftsbundes des Landes. Auch 28 Menschen, die in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Harare behandelt wurden, seien verhaftet worden.