Nach schweren Gefechten mit von der Türkei unterstützten Rebellen hat die Al-Kaida-nahe Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) ihr Einflussgebiet im Nordwesten Syriens ausgedehnt. Die seit Dienstag andauernden Kämpfe mit der protürkischen Nationalen Befreiungsfront (NLF) hätten sich inzwischen von der Provinz Aleppo auf die angrenzenden Provinzen Hama und Idlib ausgeweitet, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die ihre Informationen von lokalen oppositionellen Aktivisten und Aktivistinnen bezieht.

Innerhalb von drei Tagen seien demnach 75 Menschen getötet worden, davon sechs Zivilisten. Im Süden der Provinz Idlib habe die HTS-Miliz mittlerweile elf Dörfer eingenommen, insgesamt seit Beginn der Kämpfe 17 Ortschaften erobert.

Die Region um die Stadt Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in Syrien. Die radikalislamische HTS gehört dort zu den dominierenden Kräften. Die früher unter dem Namen Al-Nusra-Front bekannte Gruppe hat sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt. Die NLF wiederum wird von der Türkei unterstützt.

Die Kämpfer von HTS liegen in Idlib seit Jahren im Konflikt mit rivalisierenden Rebellengruppen, weshalb es immer wieder zu Anschlägen und Gefechten kommt. Die Türkei als Verbündeter der Rebellen und Russland als Unterstützer der syrischen Regierung hatten sich im vergangenen Jahr auf eine entmilitarisierte Pufferzone für Idlib geeinigt, um eine Offensive der syrischen Regierungstruppen auf die Provinz zu verhindern. Führende HTS-Vertreter sprachen sich damals dagegen aus. Die Vereinbarung zum Abzug von Kämpfern und Waffen aus der Pufferzone wurde seither nur teilweise umgesetzt. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu drohte damals, die Region werde "von Radikalen gesäubert" werden.