Die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julija Timoschenko will Staatschefin werden. "Ich kandidiere für das Präsidentenamt", sagte Timoschenko während eines Treffens ihrer nationalistischen Vaterlandspartei. Die Wahl findet am 31. März statt. In Umfragen liegt Timoschenko vor Amtsinhaber Petro Poroschenko, der seine Kandidatur noch nicht offiziell bekannt gegeben hat.

Vor mehreren hundert jubelnden Anhängern kündigte die 58-Jährige den Beginn einer neuen Ära an – "eine Ära des Erfolgs, des Glücks und des Aufblühens". Zugleich räumte sie ein, in der Vergangenheit Fehler gemacht zu haben. Per Video war auch Michail Saakaschwili zugeschaltet. Der ehemalige georgische Präsident war 2015 von Poroschenko als Gouverneur der Region Odessa eingesetzt worden. Im vergangenen Jahr wurde er jedoch aus der Ukraine abgeschoben. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor.

Unterstützung von prominenter Seite

Saakaschwili lobte Timoschenko als "unermüdliche Kämpferin für die Ukraine und die Interessen der Ukrainer". Auch der erste Präsident der Ukraine nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, Leonid Krawtschuk, stellte sich hinter die Kandidatin und lobte sie als "starke Persönlichkeit".

Timoschenko ist in ihrer Heimat umstritten. International bekannt wurde sie durch die Orange Revolution in der Ukraine im Jahr 2004. Sechs Jahre später unterlag die proeuropäische Politikerin bei der Präsidentschaftswahl ihrem prorussischen Rivalen Viktor Janukowitsch. Nach dessen Amtsantritt wurde sie festgenommen und wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie Energielieferverträge zum Schaden der Ukraine abgeschlossen haben soll. Im Zuge des Umsturzes in der Ukraine wurde sie 2014 aus der Haft entlassen.  

Für die Präsidentschaftswahl am 31. März haben bereits 20 Ukrainer erklärt, sie wollten kandidieren. Registriert sind bislang zwölf Kandidaten. Umfragen sehen Timoschenko derzeit bei 16 Prozent, Poroschenko bei knapp 14. Sollte keiner der Kandidaten in der ersten Runde auf mehr als 50 Prozent der Stimmen kommen, wird zwei Wochen später eine Stichwahl fällig. Timoschenko war zweimal Regierungschefin ihres Landes, mit ihren beiden Kandidaturen zur Präsidentin in den Jahren 2010 und 2014 allerdings gescheitert.

Eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf ist der bewaffnete Konflikt im Osten der Ukraine. Separatisten, die von Russland unterstützt werden, kontrollieren Teile des Industriereviers Donbass. In dem seit 2014 andauernden Krieg sind nach UN-Angaben etwa 13.000 Menschen getötet worden.