Vor den geplanten Massenprotesten von Regierungsgegnerinnen und -gegnern in Venezuela verschärft die venezolanische Führung den Ton gegenüber den USA. Staatschef Nicolás Maduro warf der US-Regierung vor, einen "faschistischen Staatsstreich" in Venezuela angeordnet zu haben. Dies sei in der 200-jährigen Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Staaten beispiellos. Maduro forderte seinen Außenminister Jorge Arreaza auf, die Beziehungen zu den USA vollständig auf den Prüfstand zu stellen.

US-Vizepräsident Mike Pence hatte den Demonstranten in Venezuela zuvor die Unterstützung der USA zugesagt. "Wir stehen an Ihrer Seite", hatte Pence auf Spanisch und Englisch in einer Twitter-Videobotschaft gesagt. Maduro sei ein "Diktator ohne legitimen Anspruch auf die Macht". Die "guten Menschen" in Venezuela wollten sich nun Gehör verschaffen. Im Wall Street Journal hatte sich Pence zudem für die Absetzung des Präsidenten ausgesprochen: "Nicolás Maduro muss weg." Die Krise Venezuelas werde sich verschlimmern, bis die Demokratie wiederhergestellt sei, so Pence.

Auch der venezolanische Kommunikationsminister Jorge Rodríguez warf Pence deshalb vor, "Terroristen" befohlen zu haben, bei den geplanten Oppositionsprotesten gewalttätig zu werden, um die Regierung zu destabilisieren. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sagte, die Regierung in Caracas werde eine Einmischung der USA in innere Angelegenheiten nicht hinnehmen.

Auch der US-Senator Marco Rubio warnte die venezolanischen Sicherheitskräfte vor einem harten Vorgehen gegen die regierungskritischen Demonstranten. "Sie sind kurz davor, eine rote Linie zu überschreiten und eine Antwort zu provozieren, auf die Sie, glauben Sie mir, nicht vorbereitet sind." Rubio rief dazu auf, für die "Tausenden Venezolaner, die sich in den kommenden Stunden in Gefahr begeben", zu beten.

Gewaltsame Auseinandersetzungen

Die Opposition hat für heute zu landesweiten Demonstrationen gegen Maduro aufgerufen. Der Präsident hatte am 10. Januar begleitet von Massenprotesten seine zweite Amtszeit begonnen. Die Präsidentschaftswahl im vergangenen Mai war von der Opposition größtenteils boykottiert worden, sie erkennt das Ergebnis nicht an. Auch die EU, die USA und eine Reihe lateinamerikanischer Länder sehen Maduro nicht als rechtmäßigen Wahlsieger. Der oppositionelle Parlamentspräsident Juan Guaidó strebt eine Übergangsregierung und Neuwahlen an

In mehreren Städten Venezuelas gab es bereits gewaltsame Ausschreitungen. Nach einem gescheiterten Aufstand von Nationalgardisten am Montag kam es in der Hauptstadt Caracas zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei. In mehreren Vierteln der Hauptstadt Caracas haben Demonstranten nach Angaben der Venezolanischen Beobachtungsstelle für soziale Konflikte (OVCS) bereits Straßensperren errichtet und Geschäfte geplündert. Die Polizei setzte Tränengas ein. Im Bezirk Catia setzten Jugendliche am Dienstag Barrikaden in Brand und forderten den Sturz der Regierung von Präsident Nicolás Maduro. 

Auf Videoaufnahmen waren Bewohner in der südvenezolanischen Stadt San Félix dabei zu sehen, wie sie eine Statue des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez in Brand steckten. Der 2013 verstorbenen Revolutionsführers Hugo Chavez hatte Maduro zu seinem Nachfolger erwählt. Die Skulptur war im Juli 2018 von der sozialistischen Regierung zu Erinnerung an ihn aufgestellt worden.

Venezuela ist in einer schweren Wirtschaftskrise, es herrschen Hyperinflation und ein Mangel an Lebensmittel, Versorgungsgütern und Arzneimitteln. Rund drei Millionen Menschen befinden sich im Ausland auf der Flucht.