US-Präsident Donald Trump hat dem selbst ernannten Interimsstaatschef Venezuelas, Juan Guaidó, in einem Telefonat die Unterstützung seines Landes zugesichert. Die USA stünden hinter dem Kampf Venezuelas zur Wiedererlangung der Demokratie, sagte Trump nach Angaben des Weißen Hauses. Er gratulierte Guaidó demnach zur "historischen Übernahme" seines Amtes. Trump und der Oppositionsführer sollen zudem vereinbart haben, sich regelmäßig auszutauschen.

Guaidó bedankte sich in einer Twitternachricht bei Trump für den Anruf. "Er betonte seine totale Unterstützung unserer demokratischen Arbeit, seine Bereitschaft zu humanitärer Hilfe und die Anerkennung unserer Übergangspräsidentschaft durch seine Regierung", schrieb er. Der Widersacher des amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro dankte demnach Trump, dass er sich für Freiheit und Wohlstand in Venezuela und der Region einsetze.

Guaidó, Oppositionsführer und Präsident des von der Staatsführung entmachteten Parlaments, hatte sich vor einer Woche zum "amtierenden Präsidenten" ernannt und war umgehend von Trump anerkannt worden. Er argumentiert, dass die Wiederwahl Maduros im vergangenen Jahr nicht rechtmäßig gewesen und das Präsidentenamt deshalb vakant geworden sei. Deshalb falle ihm als Parlamentspräsident laut Verfassung das Amt des Staatschefs übergangsweise zu.

Der seit 2013 amtierende linksnationalistische Staatschef Nicolás Maduro wirft den USA einen Umsturzversuch vor. Maduro hatte am 10. Januar 2019 offiziell seine zweite Amtszeit angetreten. Amtlichen Ergebnissen zufolge war er im vergangenen Mai mit 68 Prozent der Stimmen bis zum Jahr 2025 wiedergewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag unter 50 Prozent. Der größte Teil der Opposition hatte die Wahl boykottiert und erkennt das Ergebnis ebenso wenig an wie die EU, die USA und zahlreiche lateinamerikanische Länder.

Maduro warnt USA vor Militärintervention

Angesichts des wachsenden Drucks der US-Regierung hat Maduro die Soldaten auf die Verteidigung des Landes eingeschworen. "Ich rufe die Streitkräfte zu einer großen militärischen Erneuerung auf, um zu garantieren, dass der nordamerikanische Imperialismus niemals einen Fuß auf unser Territorium setzt", sagte der Staatschef bei einem Truppenbesuch. "Wir sollten die Chance, die uns die imperialistische Aggression der Regierung von Donald Trump gibt, dazu nutzen, ein höheres Bewusstsein und eine klarere militärische Führung zu entwickeln." In einer "an das amerikanische Volk" gerichteten Videobotschaft warnte Maduro vor einer militärischen Intervention in dem südamerikanischen Land. "Lassen wir kein Vietnam in Lateinamerika zu", sagte er in der Botschaft, die auf Facebook veröffentlicht wurde. 

Der Machtkampf in Venezuela verschärft sich damit noch weiter und vertieft auch die Kluft zwischen den USA und Russland. Während Trump mit Guaidó telefonierte, dankte Maduro dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für dessen Hilfe. Russlands Außenminister Sergej Lawrow brachte eine internationale Schlichtung ins Spiel.

Mehrere europäische Staaten hatten Maduro zuletzt ein Ultimatum gestellt. Die Drohung: Ruft er bis zum Wochenende keine freien und fairen Wahlen aus, wollen unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien Guaidó als Staatsoberhaupt anerkennen.

"Unerträgliche Zustände"

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte unterdessen im Bundestag, Staatschef Nicolás Maduro müsse "unverzüglich umsteuern" und einen "glaubwürdigen politischen Prozess im Rahmen der venezolanischen Verfassung" einleiten. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian kritisierte, Maduro habe den Forderungen der Europäer bisher nicht entsprochen. 

Der deutsche Außenminister sagte weiter, er werde am Donnerstag in Bukarest mit den anderen EU-Außenministern die nächsten Schritte abstimmen. Es gehe darum, die Venezolaner auf dem Weg zu Neuwahlen zu unterstützen und gleichzeitig zu verhindern, dass die Lage noch weiter eskaliere. Maas nannte die Zustände in Venezuela "unerträglich". Er verwies unter anderem auf die rund 12.500 Menschen, die im Zusammenhang mit Protesten gegen die Regierung seit 2014 verhaftet wurden sowie die tödliche Gewalt gegen Demonstrantinnen und Demonstranten.