Im Machtkampf zwischen der venezolanischen Regierung und der Opposition hat Verteidigungsminister Vladimir Padrino die Soldaten zur Geschlossenheit aufgerufen. "Wir wären unwürdig, diese Uniform und die Symbole des Vaterlandes zu tragen, wenn wir dieser ernsten Bedrohung des Vaterlandes nicht entgegentreten würden", sagte Padrino. Zuvor hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó die Streitkräfte dazu aufgefordert, dem autoritären Staatschef Nicolás Maduro die Unterstützung zu entziehen und sich auf die Seite der Opposition zu stellen.

Es sei ein großer Fehler, eine so würdige Institution wie die Streitkräfte dazu aufzurufen, mit dem Recht zu brechen, sagte Padrino. "Wir werden Venezuela gegen jeden Angriff verteidigen." Ein vom Parlament verabschiedetes Amnestiegesetz bezeichnete der Minister als "Instrument der Manipulation". Niemand in der Armee glaube daran. Das Gesetz sichert Militärs Straffreiheit zu, wenn sie sich an der Wiederherstellung der demokratischen Ordnung beteiligen. Gemeinsam mit anderen ranghohen Militärs und einfachen Soldaten marschierte Padrino im Morgengrauen in voller Kampfmontur durch die Festung Tiuna in Caracas.

Maduro hatte sich bereits am Sonntag demonstrativ an der Seite des Militärs gezeigt. Gemeinsam mit Padrino verfolgte er eine Übung, bei der Soldaten Luftabwehrraketen, Panzergranaten und weitere Munition auf Manöverziele abfeuerten. Die Übung zeige der Welt, dass er die Rückendeckung der Armee habe und diese bereit sei, das Land zu verteidigen, sagte Maduro. "Niemand sollte auch nur daran denken, diesen heiligen Boden zu betreten."  

Am vergangenen Mittwoch hatte sich Oppositionschef Guaidó zum Übergangspräsidenten Venezuelas ernannt und wurde von den USA und einer Reihe lateinamerikanischer Staaten anerkannt. Am Sonntag folgten Israel und Australien, während Russland, China, der Iran und die Türkei weiterhin zum sozialistischen Amtsinhaber Maduro halten. Die Bundesregierung sowie andere europäische Regierungen stellten ein Ultimatum, in dem sie Maduro acht Tage Zeit ließen, um Neuwahlen anzusetzen. Anderenfalls, kündigten sie an, würden sie Guaidó als Interimspräsidenten anerkennen. 

Der Oppositionsführer rief angesichts zunehmender internationaler Unterstützung für seine Forderung nach Neuwahlen zu weiteren Protestaktionen auf. Am Mittwochnachmittag – eine Woche, nachdem er sich zum Interimspräsidenten ausrief – sollten sich die Menschen zu zweistündigen Demonstrationen zusammenfinden, sagte er. Am Wochenende solle es dann Massendemonstrationen "in jeder Ecke Venezuelas" und in aller Welt geben.

Papst warnt vor Blutvergießen in Venezuela

Papst Franziskus zeigte sich angesichts der Krise höchst besorgt."Was mir Angst macht? Das Blutvergießen. (...) Das Blut ist keine Lösung", sagte das Katholikenoberhaupt. Er leide wegen der Entwicklungen in Venezuela.

Der Pontifex wollte sich in dem anhaltenden Machtkampf jedoch auf keine Seite stellen. Damit "würde ich mich in eine Rolle begeben, die ich nicht kenne", sagte er. Das könne Schaden anrichten. "In diesem Moment unterstütze ich das venezolanische Volk, weil es ein (ganzes) Volk ist, das leidet", sagte Franziskus. Der Argentinier hatte sich bereits während seines Aufenthalts in Panama zum Weltjugendtag zu den Unruhen in dem südamerikanischen Land geäußert und sich für eine "gerechte und friedliche Lösung" unter Einhaltung der Menschenrechte ausgesprochen.

Die Lage in dem südamerikanischen Land verschärft sich weiter. Bei Protesten gegen Maduro wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle für soziale Konflikte, eine Nichtregierungsorganisation, 26 Menschen getötet. Mehr als 350 Menschen wurden festgenommen. Misswirtschaft hat das erdölreiche Land zudem in eine Wirtschafts- und Versorgungskrise gestürzt.

UN sind besorgt über Gewalt gegen Flüchtlinge

UN-Hilfsorganisationen sprechen inzwischen von der größten Völkerbewegung der jüngeren Geschichte Lateinamerikas. Flüchtlinge aus Venezuela seien in den vergangenen Tagen in Nachbarländern teils bedroht und angegriffen worden. "Hass, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit sind extrem besorgniserregend", sagte Eduardo Stein, Sonderbeauftragter des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der Organisation für Migration (IOM) für Migranten aus Venezuela.

Bislang hätten die Nachbarstaaten große Solidarität gezeigt. Stein rief Medien und Nutzerinnen sozialer Medien auf, negative Einstellungen anzuprangern und nicht noch zu verstärken. UNHCR und IOM seien im Einsatz, um Migranten sowie die Gemeinden, die sie aufnehmen, zu unterstützen. Nach IOM-Angaben sind seit 2016 mehr als zwei Millionen Venezolaner und Venezolanerinnen geflüchtet.