Weltwirtschaftsforum - Merkel wirbt für Multilateralismus Es gebe Herausforderungen, etwa den Klimawandel, die nur gemeinsam zu lösen sein, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Besonders die Europäische Union könne Dinge voranbringen. © Foto: Markus Schreiber

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine Reform internationaler Organisationen ausgesprochen. Beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte Merkel, die internationale Ordnung gerate unter Druck. Länder wie China und Indien beeinflussten die Weltwirtschaft inzwischen viel stärker. Wenn ein bestehendes System aber zu langsam darauf reagiere, sei die Folge, dass sich andere Institutionen bildeten. Merkel nannte als Beispiel die Bildung einer asiatischen Investitionsbank als Gegengewicht zur Weltbank.

Bei einer Reform internationaler Organisationen müssten sich neue Kräfteverhältnisse in der Welt widerspiegeln. Reformen seien schwierig, aber notwendig. Die CDU-Politikerin bekannte sich erneut zum Multilateralismus. Eine globale Architektur werde nur funktionieren, wenn Kompromissfähigkeit bestehe.

Es gebe Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können, sagte Merkel. Als Beispiele nannte sie den Klimawandel, Sicherheits- und Handelsfragen. Gleichzeitig seien aber bestehende internationale Institutionen in ihrer Zusammensetzung und Arbeitsweise reformbedürftig. Deutschland suche nach Verbündeten für den Multilateralismus, "alles andere würde ins Elend führen", sagte sie.

"Es gibt viele, die willens sind, die multilaterale Ordnung zu stärken", fügte Merkel hinzu. Die Störungen des multilateralen System führten zu sinkenden Prognosen für das weltweite Wachstum. Sie werde sich deshalb dafür einsetzen, dass die multilaterale Ordnung künftig nicht an den Grenzen der EU ende.

Zugleich forderte Merkel wirtschaftliche Stärke der Europäer. Nur dann könnten sie sich international mit ihren Ideen durchsetzen. Die USA setzten ihre Wirtschaftskraft so ein, dass sie auch politischen Druck auf Unternehmen etwa im Streit um das Atomabkommen mit dem Iran einsetzen könnten. Die EU müsse dieselbe Stärke entwickeln. "Ansonsten werden wir steuerbar."

Weltwirtschaftsforum - Merkel wirbt für Multilateralismus Es gebe Herausforderungen, etwa den Klimawandel, die nur gemeinsam zu lösen sein, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Besonders die Europäische Union könne Dinge voranbringen. © Foto: Markus Schreiber

"Wir werden mehr Erdgas brauchen"

Merkel forderte außerdem die Industrieländer auf, ihrer Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel gerecht zu werden. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Klimaveränderung für uns, für die gesamte Welt eine Riesenbedeutung hat", sagte sie. Die Industrieländer hätten die Fähigkeit und auch die Verantwortung, Technologien zu entwickeln, von denen andere dann profitieren könnten.

In Deutschland werde angesichts des geplanten Kohleausstiegs in den kommenden Jahrzehnten Erdgas eine größere Rolle spielen, sagte Merkel. Das werde weiterhin aus Russland kommen, möglicherweise aber auch als Flüssiggas aus den USA und anderen Ländern. Die Infrastruktur werde in alle Richtungen ausgebaut. "Wenn wir aus der Kohle aussteigen, wenn wir aus der Kernenergie aussteigen, dann müssen wir den Menschen ehrlich sagen, werden wir mehr Erdgas brauchen", sagte Merkel.