Großbritannien bereitet sich für den Fall eines ungeregelten Brexits auf Probleme bei der Abfallentsorgung vor. Das berichtet der britische Guardian unter Berufung auf interne E-Mails der britischen Umweltbehörde (EA). Derzeit exportiert das Land demnach jährlich rund drei Millionen Tonnen Müll in andere EU-Staaten. Bei einem EU-Austritt ohne Abkommen würden jedoch die Exportlizenzen über Nacht ungültig.

"Wenn es zu einem No-Deal-Szenario kommt, könnte der aktuelle Export von Abfall zeitweilig stocken", heißt es dem Bericht zufolge in einer der E-Mails. Eventuell müsse faulender Müll gehortet werden, dabei könne es auch zu Verschmutzung durch Ausschwemmungen kommen.

Die britische Umweltbehörde ruft deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, sich zur Arbeit in Krisenzentren zu melden. Diese sollen bereits ab dem 18. Februar eingerichtet werden und, wenn nötig, auch rund um die Uhr arbeiten können. Ein Sprecher der Behörde sagte der Zeitung, man bereite sich verantwortungsvoll auf alle Szenarien eines EU-Austritts vor.

"Es könnte sehr schnell sehr hässlich werden"

Dem Guardian-Bericht zufolge warnt die Umweltbehörde unter anderem vor Problemen in der Landwirtschaft. Wenn weniger Fleisch exportiert werde, könne es zu einem Rückstau der Produktion auf den Bauernhöfen kommen. Dadurch könnten etwa die Kapazitäten von Güllespeichern an ihre Grenzen kommen, heißt es. "Es könnte sehr schnell sehr hässlich werden", sagte ein EA-Mitarbeiter der Zeitung.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im britischen Parlament, Mary Creagh, bezeichnete die E-Mails als schockierend. Sie zeigten, dass das Abfall- und Recyclingsystem "völlig zum Stillstand" komme, wenn Zollbeschränkungen die Abfallexporte verhinderten, sagte Creagh der Zeitung. Premierministerin Theresa May habe zum Umweltschutz im Falle eines EU-Austritt nur leere Versprechen gegeben. "Ein harter Brexit würde kriminellen Betrügern grünes Licht geben und eine Notsituation bedeuten für die Gesundheit sowie die Umwelt", sagte die Labour-Abgeordnete.

Großbritannien tritt nach aktuellem Stand offiziell am 29. März aus der EU aus. Die britische Premierministerin Theresa May hatte über Monate mit der Europäischen Union ein Austrittsabkommen ausgehandelt, das aber Mitte Januar im britischen Parlament mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Im Falle eines ungeregelten Brexits drohen gravierende Konsequenzen für Großbritannien und Teile der Wirtschaft in den EU-Anrainerstaaten. Das Land wäre dann von einem Tag auf den anderen nicht mehr Teil der Zollunion und des EU-Binnenmarktes.