Der ins Exil geflohene frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont hat in Berlin Freisprüche für zwölf in Madrid vor Gericht stehende Separatistenführer gefordert. Puigdemont kritisierte den Prozess gegen seinen ehemaligen Vize Oriol Junqueras und die weiteren Angeklagten, der am Vormittag begonnen hatte. "Wir erleben heute einen Prozess, den es nie hätte geben dürfen", sagte Puigdemont. Er sprach von einem "künstlich konstruierten, politischen Verfahren" und einem "Stresstest für die spanische Demokratie". Auf der Anklagebank würden nach seinen Worten "ehrbare, unschuldige Demokraten sitzen, die entsprechend dem Mandat des Parlaments gehandelt haben". Er hoffe daher sehr, dass der Staat im Laufe dieser Anklage noch die Chance nutzen würde, ein gerechtes Urteil zu fällen. Dieses könne nur ein Freispruch sein.

In dem  Prozess in der spanischen Hauptstadt wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten im Zusammenhang mit dem Abspaltungsreferendum vom 1. Oktober 2017 und einem anschließenden Unabhängigkeitsbeschluss Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel vor. Die separatistische Führungsriege muss mit Haftstrafen von bis zu 25 Jahren rechnen. Insgesamt sollen in den kommenden drei Monaten fast 600 Zeuginnen und Zeugen vernommen werden, so etwa der konservative Ex-Ministerpräsident Mariano Rajoy, in dessen Amtszeit das Referendum fiel. Die Urteilsverkündung wird nicht vor Juli erwartet. Der Prozess wurde live im spanischen Fernsehen übertragen und gilt als einer der wichtigsten in der jüngeren Geschichte des Landes. Die zentrale Frage, die das Gericht klären muss, ist: Gab es wirklich den Tatbestand der Rebellion? 

Puigdemont fehlt als wichtigster Protagonist des Abspaltungsreferendums auf der Anklagebank. Er war vor seiner Festnahme ins belgische Exil geflohen. Auf der Pressekonferenz in Berlin fragte Puigdemont auch die EU kritisch: "Warum ist die Europäische Union zum Beispiel stärker interessiert an den Geschehnissen in Venezuela als daran, was heute in Madrid passiert?" Puigdemont forderte zudem erneut ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens. Dieses könne mit der Zentralregierung in Madrid ausgehandelt werden. "Wenn es tatsächlich eine klare Mehrheit gegen die Unabhängigkeit gibt, wäre ich hocherfreut, dies an den Urnen zu sehen." Dieses Resultat müsse dann auch anerkannt werden.