Atomare Abrüstung - Keine Einigung beim Nordkorea-Gipfel Kim Jong Un und Donald Trump haben sich nicht auf ein Abkommen zur Denuklearisierung Nordkoreas verständigt. »Manchmal muss man einfach aufstehen und gehen«, sagte Trump. © Foto: Andrew Harnik/dpa

Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Hanoi hat keinen Durchbruch gebracht. "Wir haben uns entschieden, erst mal nichts zu unterschreiben", sagte Trump bei einer Pressekonferenz nach dem vorzeitigen Ende des Treffens. "Manchmal führt nicht immer alles gleich zu einem Abschluss." Die Gespräche über den Abbau von Atomwaffen und die wirtschaftliche Entwicklung Nordkoreas seien jedoch sehr produktiv gewesen. "Ich möchte es aber lieber richtig machen als es schlecht machen", sagte Trump.

Dem US-Außenminister Mike Pompeo zufolge waren die US-Sanktionen gegen Nordkorea der Hauptgrund für das Ende des Gipfels ohne Einigung. "Kim wollte schon zu einem Abschluss kommen, allerdings nicht zu den Konditionen, zu denen die USA ein Abkommen akzeptiert hätten", sagte er in Hanoi. "Trump und Kim sind sehr optimistisch, dass sie zu einem Abschluss kommen." Dies könne dem Minister zufolge vielleicht sogar in den nächsten Wochen geschehen. "Wir haben die Ziellinie noch nicht ganz überschritten, aber sind ganz nah dran."

"Alle Sanktionen bleiben natürlich in Kraft"

Die USA waren laut Trumps Aussagen bei den Verhandlungen zu großen Zugeständnissen bereit. Da es jedoch zu keiner Einigung gekommen sei, "bleiben vorerst alle Sanktionen gegen Nordkorea natürlich in Kraft", sagte der US-Präsident. Kim habe ihm außerdem versprochen, weiterhin keine weiteren Atomwaffentests durchzuführen. Trump wisse es zu schätzen, dass Nordkorea seit mehr als einem Jahr keine Atomwaffen und Raketen mehr getestet habe, sagte er.

Trump betonte nach dem Ende des Gipfels aber auch seine guten Beziehungen zu Kim. "Wir haben eine sehr intensive und starke Beziehung", sagte er. Deshalb freue er sich auch auf die bilaterale Zusammenarbeit mit Nordkorea, einem Land, das großes Potential habe. "Kim könnte eines der erfolgreichsten Länder der Welt anführen in Zukunft", sagte Trump.

Gipfel - »Trump hat nichts bekommen« Das Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un ist gescheitert. Unser Reporter Frederic Spohr berichtet aus Hanoi.

Diplomatische Beziehungen angestrebt

Nach Angaben der US-Delegation bedeute die fehlende Einigung keineswegs, dass die diplomatischen Bemühungen unterbrochen seien. Trump und Kim hatten sich zuvor für ein mögliches Verbindungsbüro der USA in Nordkorea ausgesprochen. Diese Idee sei "begrüßenswert", sagte Kim. Auch Trump bezeichnete die Idee als "großartige Sache", die in beide Richtungen geschehen solle. Ein Verbindungsbüro hat nicht den Rang einer Botschaft, würde aber einen Schritt hin zu einer Normalisierung der bilateralen Beziehungen bedeuten.

Bei den Gesprächen in der vietnamesischen Hauptstadt sollte es insbesondere um konkrete Schritte für die von den USA geforderte "Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" gehen. Die USA hatten wiederholt gefordert, dass Nordkorea sein Atomwaffenarsenal vollständig, unumkehrbar und nachprüfbar aufgibt. Die Führung in Pjöngjang fordert eine Aufhebung der wegen des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms verhängten Sanktionen und einen Abzug der US-Truppen aus Südkorea.

Zuvor hatte Kim seinen generellen Willen zur atomaren Abrüstung seines Landes bestätigt. "Wenn ich nicht gewillt wäre, wäre ich jetzt nicht hier", sagte der nordkoreanische Machthaber in Hanoi. Auf die Frage, ob er willens sei, konkrete Schritte dafür zu unternehmen, antwortete er: "Das besprechen wir gerade." Trump bezeichnete die Gespräche als "sehr gute Diskussionen".

Bundesregierung fordert weitere Verhandlungen

Außenminister Heiko Maas (SPD) bedauerte den Ausgang des Gipfels. "Wenn es gelungen wäre, Nordkorea dazu zu veranlassen, sein Atomprogramm zu beenden und seine Atomwaffen zu verschrotten, wäre die Welt ein großes Stück sicherer geworden", sagte Maas im ZDF-"Morgenmagazin". Angesichts fehlender Fortschritte seit dem ersten Gipfel zwischen beiden Politikern sei die deutsche Seite aber bereits im Vorfeld "tatsächlich skeptisch" gewesen. Unabhängig vom Ergebnis sollten derartige Gespräche fortgeführt werden.