Die großen Fraktionen im Europäischen Parlament müssen bei der Europawahl im Mai laut einer Umfrage mit Verlusten rechnen. Die Europäische Volkspartei (EVP) könnte demnach erneut stärkste Kraft werden, käme aber mit 26 Prozent der Stimmen auf drei Prozentpunkte weniger als bei der vergangenen Wahl, wie aus dem sogenannten Eurobarometer des Europäischen Kommission hervorgeht. Die EVP, zu der CDU und CSU gehören, kann demnach mit 183 der 705 Sitze im Europäischen Parlament rechnen.

Die Fraktion der Sozialisten und Sozialdemokraten (S&D) käme laut der Umfrage auf 19 Prozent und würde damit sechs Prozentpunkte verlieren. Zusammen mit den Liberalen oder den Grünen wären aber Koalitionen im Europäischen Parlament möglich.

Ein Grund für die drohenden Verluste der großen Fraktionen ist auch der geplante Austritt Großbritannien aus der Europäischen Union. Durch den für den 29. März vorgesehenen Brexit verkleinert sich das Europaparlament voraussichtlich von derzeit 751 auf 705 Sitze. Damit verliert beispielsweise die S&D-Fraktion die Mandate der britischen Labour-Partei und käme laut der Umfrage nach der Wahl nur noch auf 135 Sitze. Bislang stellten die Sozialdemokraten und Sozialisten 186 Abgeordnete.

Auch bei der Verteilung der deutschen Sitze würde mit der Union eine konservative Partei dominieren. Statt wie bisher 34 hätten CDU und CSU nach der Europawahl aber nur noch 29 Sitze. Die Grünen wären mit 18 Sitzen die Partei mit den zweitmeisten Abgeordneten aus Deutschland. Die SPD wäre nur noch mit 15 statt wie bisher mit 27 Sitzen im Europäischen Parlament vertreten.

Rechte Parteien könnten hinzugewinnen

Die beiden rechten europakritischen Gruppierungen im Parlament könnten der Umfrage zufolge von 10 auf 14 Prozent zulegen. Das liegt vor allem an der Stärke der fremdenfeindlichen italienischen Lega mit prognostizierten 21 Sitzen. Die AfD könnte danach mit elf, die rechtsradikale Rassemblement National von Marine Le Pen in Frankreich mit sechs Sitzen rechnen.

Die Wahlen für das Europaparlament finden zwischen dem 23. und 26. Mai statt. Für die Umfrage wurden dem Europaparlament zufolge zwischen dem 8. und 22. November in den Mitgliedsstaaten insgesamt 27.424 und in Deutschland 1.519 Bürgerinnen und Bürger befragt.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.