Personalausweise in der EU müssen künftig digital gespeicherte Fingerabdrücke enthalten. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich auf neue Mindeststandards, die die Ausweise sicherer machen und die Verwendung gefälschter Dokumente durch Terroristen oder Straftäter eindämmen sollen. Dafür sollen zwei Fingerabdrücke auf einem Chip gespeichert werden. Zudem müssen die Personalausweise maschinenlesbar sein, im Kreditkartenformat ausgegeben werden, ein Foto enthalten und fünf bis zehn Jahre gültig sein.

Grüne und sozialdemokratische Europaabgeordnete kritisierten die Einigung. Zwar sei es sinnvoll, höhere Standards für Personalausweise zu schaffen und die Dokumente zu vereinheitlichen, sagte SPD-Innenpolitikerin Sylvia-Yvonne Kaufmann. Die verpflichtende Speicherung der Fingerabdrücke auf den Ausweisen sei jedoch ein "gravierender Eingriff in die Grundrechte", zudem "unverhältnismäßig und nicht notwendig".

Der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold sagte: "Massenhafter Identitätsklau ist schon mit neuen Ausweisen kein ernstzunehmendes Problem mehr. Fingerabdrücke im Ausweis sind ein Placebo, das Sicherheit vorgaukelt und die Datensammelwut befeuert." In Deutschland ist der Fingerabdruck im Personalausweis bislang freiwillig.

Das EU-Parlament und die EU-Staaten müssen die Einigung in den kommenden Wochen noch formell bestätigen. Zwei Jahre später müssen alle neu ausgestellten Ausweise die neuen Anforderungen erfüllen. Bereits ausgestellte Personalausweise, die die neuen Regeln nicht erfüllen, sollen in der Regel noch zehn Jahre gültig bleiben, sofern sie nicht früher ablaufen.

Die EU hatte im vergangenen Jahr ihren Plan vorgestellt, Fingerabdrücke und Gesichtsbilder auf einem Chip im Ausweis zu speichern. Nach damaligen Angaben haben geschätzt rund 80 Millionen Europäer Personalausweise, die nicht maschinenlesbar sind.