Russland hat Europa vor Konflikten wegen der Auflösung des Abrüstungsvertrags für atomare Mittelstreckenwaffen gewarnt. Sollten die USA Mittelstreckenraketen in Europa stationieren, werde der Kontinent zum Austragungsort des Konflikts, teilte das russische Außenministerium mit. "Das Ende des Vertrags wird weitreichende Auswirkungen auf die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur haben."

Sollten die europäischen Partner der USA an einem Erhalt des Abkommens interessiert sein, dürften sie nicht blind dem Kurs der amerikanischen Politik folgen, hieß es weiter in der Mitteilung. Die Nato-Partner der USA hatten sich zuvor geschlossen hinter deren Entscheidung gestellt, aus dem sogenannten INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen auszusteigen.

Nachdem die USA ihren Ausstieg verkündet hatten, zog sich auch Russland aus dem Vertrag zurück. Beide Länder werfen sich gegenseitig vor, den INF-Vertrag gebrochen zu haben. International lösten die Ankündigungen Sorge vor einem neuen Wettrüsten aus. Der INF-Vertrag läuft in sechs Monaten automatisch aus.   

Das INF-Abkommen aus dem Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern. Die USA werfen Russland vor, mit den 9M729-Mittelstreckenraketen die Bestimmungen zu verletzen, da diese eine Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern hätten. Russland bestreitet das. Die Reichweite betrage weniger als 500 Kilometer und sei damit vertragskonform.

Außenminister Sergej Lawrow sagte, die USA müssten die Verantwortung für das bevorstehende Ende des Vertrages übernehmen. "Erst dann sind die Türen wieder offen. Wir werden dann über alles verhandeln", sagte der russische Chefdiplomat der Agentur Interfax zufolge. Er wolle aber nicht von einem neuen Kalten Krieg sprechen. "Es ist eine Zeit, in der die USA entschieden haben, das gesamte Waffenkontrollsystem zu zerstören. Das ist bedauerlich."

INF-Vertrag - Russland setzt Abrüstungsabkommen ebenfalls aus Nach den USA zieht sich auch Russland aus dem Vertrag zur atomaren Abrüstung zurück. Präsident Wladimir Putin stimmte zugleich der Entwicklung neuer Raketen zu. © Foto: Alexei Nikolsky/Kremlin/AP/dpa