Die USA und Russland haben das Abkommen zur atomaren Abrüstung (INF) ausgesetzt. Beide werfen sich gegenseitig vor, die Bestimmungen verletzt zu haben. Als Alternative könne mit Russland ein multinationaler Pakt zur Rüstungskontrolle ausgehandelt werden, schlägt US-Präsident Donald Trump vor. Aber was besagt der Vertrag eigentlich? Und wie viele Atomsprengköpfe gibt es überhaupt noch auf der Welt? Der INF-Vertrag – Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty – wurde 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossen und verbietet den beiden Staaten atomare Mittelstreckenraketen. In der Folge des Abkommens wurden bis 1991 1.846 sowjetische und 846 US-amerikanische bodengesteuerte Mittelstreckensysteme aufgegeben. 

Allerdings ist der INF-Vertrag genau genommen kein Abkommen zur Verschrottung von Atomwaffen, sondern für landgestützte Trägersysteme, für ballistische Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5.500 Kilometern. Atomraketen, die von Flugzeugen, Schiffen oder U-Booten abgeschossen werden können, betrifft INF nicht. 

Zusammen mit dem Start-1-Vertrag von 1991 zur Verringerung strategischer land- und seegestützter Langstreckenwaffen, dessen Nachfolgeabkommen sowie einer Reihe kleinerer US-sowjetischer Abrüstungsbeschlüsse trug der INF-Vertrag dazu bei, dass die Zahl der Atomsprengköpfe seit den Achtzigerjahren bis heute weltweit stark zurückgegangen ist.

Inzwischen gibt es neun Atomstaaten – Russland, die USA, China, Großbritannien, Frankreich, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea – mit aktuell insgesamt 14.465 Atomsprengköpfen. Das schätzt das Stockholmer International Peace Research Institute (Sipri). Russland, die USA, Frankreich und Großbritannien haben 3.750 von ihnen als sofort einsetzbare Atomwaffen aufgestellt. Alle anderen Atomstaaten haben operative Sprengköpfe gelagert.

Im Jahr 1986, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges, gab es noch 70.300 Atomsprengköpfe, praktisch alle im Besitz der UdSSR und der USA. Seitdem hat sich das Wettrüsten zwischen den Atomstaaten verändert. Es geht nicht mehr um die absolute Zahl der Sprengköpfe – das neue Wettrüsten dreht sich um die Modernisierung der Kernwaffenbestände. Die USA und Russland verfügen dabei auch heute noch über mehr als 90 Prozent der Atomwaffen weltweit.

Derart viel Nuklearsprengköpfe wie am Ende des Kalten Krieges wird es wahrscheinlich nie wieder geben. Einer der Gründe dafür ist, dass Russland sich aufgrund seiner schlechten Wirtschaftslage ein quantitatives Wettrüsten nicht mehr leisten könnte. Dennoch hat Präsident Wladimir Putin seit Jahren schon einseitig neue Raketen testen und stationieren lassen. Grundsätzlich nimmt das Risiko zu, dass ein Ende des INF-Abkommens dazu beiträgt, dass die USA und Russland ihre Waffensysteme verstärkt modernisieren. Laut Sipri würden zudem auch alle anderen Atomstaaten neue Waffensysteme planen und stationieren sowie ihre nuklearen Bestände ausbauen.

Bis auf die Vereinigten Staaten und in beschränkterem Ausmaß auch Frankreich und Großbritannien gibt keiner der Atomstaaten nähere Auskünfte über seine wahren Bestände. Die Regierungen Israels äußern sich grundsätzlich gar nicht über ihr Atomprogramm.  

Und nicht zu vergessen: Eine Bedrohung geht nicht allein von strategischen Atomwaffensystemen aus. Auch konventionelle Waffen sind weiter stark verbreitet. Und weil mit einem Ende des INF-Vertrages die Einschränkungen für die USA und Russland offiziell wegfallen würden, sind auch vermehrt neue landgestützte konventionell bewaffnete Raketen zu erwarten.