Wahrscheinlich ging das Versprechen aus Polen nicht so weit, wie es der Stabschef der iranischen Streitkräfte, Generalmajor Mohamed Bagheri, wiedergab: dass nämlich "in Warschau kein Wort gegen den Iran" gesprochen werde. Das Treffen in der polnischen Hauptstadt, zu dem an diesem Mittwoch und Donnerstag hochrangige Vertreter aus 70 Ländern eingeladen waren (rund 60 waren am Ende dabei), hatte in Teheran schon mit seiner Ankündigung entrüstete Reaktionen hervorgerufen.  

Die polnische Regierung, gemeinsam mit den USA Gastgeber der Konferenz zu "Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten", wollte beruhigen. Doch der Iran war nicht eingeladen, und auch die Beteuerung, er werde kein dominierendes Thema sein, schien kaum glaubhaft.

Selbst wenn es nicht ganz der "verzweifelte Anti-Iran-Zirkus" war, den der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif vorher kritisiert hatte, zumindest nicht ausschließlich, so ließ sich doch kaum verhehlen, worum es vor allem den Amerikanern ging: Nach ihrem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran wollen die USA ihre kompromisslose Linie umfänglicher Sanktionspolitik möglichst breit durchsetzen. Eine wachsende Allianz gegen den Iran ist das eine Ziel; Druck auf jene Staaten, die an dem Abkommen festhalten wollen, das andere. Noch sind die Europäer gewillt, standzuhalten. Leicht wird es ihnen nicht gemacht.

China und Russland haben verzichtet

Die USA machten bereits mit ihrer eigenen Delegation deutlich, wie wichtig ihnen der Termin ist: Neben Außenminister Mike Pompeo kam Vizepräsident Mike Pence nach Warschau. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu zog das Treffen der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz vor, auch das ein deutliches Signal. Dagegen vermieden vor allem viele europäische Länder, die Konferenz durch ihre Außenminister zu besetzen, und auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nahm nicht teil. Deutschland war durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), vertreten. China und Russland verzichteten ganz, ebenso palästinensische Vertreter, die zu einem Boykott aufgerufen hatten.

Der Iran jedenfalls stand im Zentrum des Treffens, beim Abendessen zum Auftakt am Mittwochabend war er das einzige Thema. Vorab hatte Netanjahu den Ton gesetzt, als er in einem Video aus Warschau davon sprach, dass er mit den arabischen Teilnehmern "unser gemeinsames Anliegen eines Krieges mit dem Iran" voranbringen wolle – sein Büro löschte die Aufzeichnung und änderte in weiteren Übersetzungen Krieg in Bekämpfung, im Hebräischen konnte beides gemeint sein.

Doch die Linie war auch so klar: Netanjahu nannte es später einen "historischen Wendepunkt", dass ein israelischer Ministerpräsident und die Außenminister führender arabischer Länder zusammen "mit ungewöhnlicher Härte, Klarheit und Einigkeit gegen die gemeinsame Bedrohung des iranischen Regimes" eintreten würden. US-Außenminister Pompeo wurde ebenfalls deutlich: "Man kann Frieden und Stabilität im Nahen Osten nicht erreichen, ohne dem Iran entgegenzutreten."

Dass die amerikanische und die israelische Regierung diese Linie teilen, ist nicht neu. Doch US-Vizepräsident Pence ging in Warschau noch einen Schritt weiter: Von den Europäern forderte er, "sich uns anzuschließen" und aus dem Atomabkommen auszusteigen: "Wenn ihr uns bei diesem edlen Anliegen zur Seite steht, dann stehen wir auch zu euch." Und wenn nicht? Das ließ sich zumindest als vage Drohung verstehen.