Die überraschende Rücktrittsankündigung des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif bleibt offenbar folgenlos. So hat das Präsidialamt in Teheran die Angaben des Ministers zwar bestätigt – zugleich aber mitgeteilt, dass Präsident Hassan Ruhani dies nicht akzeptieren werde. Sarif habe seine Arbeit bisher bravourös verrichtet und werde es auch weiterhin tun, heißt es auf dem Instagram-Kanal des Amtes. Daher werde Präsident Ruhani auch diesen Rücktritt nicht akzeptieren. "Sarif wird nicht alleine sein und wir werden alle zu ihm halten", hieß es.

Zuvor hatte Sarif, der seit 2013 Außenminister ist und das Atomabkommen mit den UN-Vetomächten und Deutschland maßgeblich vorangetrieben hatte, ebenfalls – und für viele überraschend – auf Instagram mitgeteilt: "Ich entschuldige mich, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mein Amt weiter auszuüben, und für alle meine Unzulänglichkeiten in meiner Amtszeit." Dazu stellte der 59-Jährige ein Bild der Tochter des Propheten Mohammed, Fatima, an deren Geburtstag an diesem Dienstag im Iran erinnert wird.

Keine Alternative zu Sarif

Über die Gründe seines Rücktritts konnten Beobachter nur spekulieren. Einige behaupteten, dass er die ständige Kritik der Hardliner an dem Wiener Atomabkommen von 2015 und seiner Annäherungspolitik an den Westen satthatte. Andere schrieben, dass er zu dem Treffen mit Syriens Präsident Baschar al-Assad am Montag nicht eingeladen wurde und daher verärgert zurückgetreten sei. Einig sind sich aber alle darüber, dass ein Ende Sarifs auch zu einem baldigen Ende des Atomdeals von 2015 führen werde. Die USA haben das Abkommen inzwischen verlassen und neue Sanktionen verhängt.

Nach Einschätzung politischer Beobachter in Teheran hat Ruhani für den erfahrenen Diplomaten Sarif derzeit jedoch keine Alternative. Infrage kämen am ehesten sein Stellvertreter Abbas Araghchi oder Atomchef und Vizepräsident Ali-Akbar Salehi. Keiner der beiden verfügt jedoch über das Charisma Sarifs.   

US-Außenminister Mike Pompeo reagierte derweil betont kühl auf die Entwicklungen in Teheran. Auf Twitter schrieb er, die Ankündigung werde "zur Kenntnis" genommen. Nun wolle man abwarten, ob Sarif das Amt tatsächlich abgebe. "So oder so sind er und Hassan Ruhani nur Strohmänner einer korrupten religiösen Mafia." Letzlich würden alle Entscheidungen von Ayatollah Ali Chamenei getroffen, schrieb Pompeo, der für seine harte Haltung gegenüber dem Mullah-Regime bekannt ist. "Unsere Politik ist unverändert – das Regime muss sich wie ein normales Land verhalten und seine Bürger respektieren."