Nur wenige Stunden vor Beginn der Abstimmung hat Nigerias Wahlkommission die Präsidentenwahl auf den 23. Februar verschoben. Der Stand der Logistik und sonstiger Vorbereitungen mache eine Verschiebung im Sinne "freier, fairer und transparenter Wahlen" notwendig, schrieb die Kommission am Samstagmorgen auf Twitter.

Bis kommenden Samstag sollten noch "eine Reihe von Herausforderungen" gestemmt werden, sagte Wahlleiter Mahmood Yakubu. Es wurde berichtet, dass Wahlunterlagen nicht in alle Teile des Landes geliefert worden seien. Zudem waren einige Wahllokale angezündet worden. Die Abstimmung sollte eigentlich um 8 Uhr beginnen.

In Afrikas bevölkerungsreichstem Land sind mehr als 84 Millionen Wähler stimmberechtigt. Um das Amt des Staatschefs bewerben sich 72 Kandidaten, Chancen werden jedoch nur den beiden Favoriten eingeräumt. Um die Wahl zu gewinnen, braucht ein Kandidat eine absolute Stimmenmehrheit und mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten.

Enges Rennen erwartet

Erwartet wird ein enges Rennen zwischen dem 76-jährigen Präsidenten Muhammadu Buhari und seinem Herausforderer Atiku Abubakar, einem 72-jährigen Milliardär und früheren Vizepräsidenten. Die Anhänger der beiden warnten vor ausländischer Einmischung. Es wurden auch Vorwürfe der Wahlmanipulation erhoben.

Der konservative Buhari verspricht den Wählern bessere Infrastruktur sowie einen entschlossenen Kampf gegen Korruption und radikale Islamisten. Abubakar will die Wirtschaft liberalisieren und damit Wachstum und Millionen Arbeitsplätze schaffen. 

Erstmals sind die Kandidaten der beiden großen Parteien Muslime aus dem Norden des Landes. Die Hälfte der Nigerianer ist Schätzungen zufolge muslimischen Glaubens, fast ebenso viele sind Christen. Die Religion der Kandidaten ist in Nigeria immer von Bedeutung. Buhari ist im muslimischen Norden beliebter, Abubakar muss für einen Sieg den eher christlichen Süden gewinnen.

Eine der größten Herausforderungen für den neuen Präsidenten wird die Befriedung des Nordostens sein, wo islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram aktiv sind. Dort sind rund zwei Millionen Menschen auf der Flucht vor den Fundamentalisten. Die Sicherheitslage hat sich während Buharis Amtszeit kaum verbessert. Ein mit der IS-Miliz verbündeter Boko-Haram-Ableger hat in den vergangenen Monaten an Einfluss gewonnen. Zehntausende Menschen sind vor ihm geflohen.

Zudem sind die globalen Ölpreise gefallen, wodurch die auf Öl angewiesene Wirtschaft von Nigeria in eine Rezession geriet. Die Arbeitslosigkeit nahm zu. Nigeria überholte Indien als das Land mit den meisten Menschen, die in extremer Armut leben.

Abukabar: "Lasst uns Nigeria wieder funktionsfähig machen"

Buhari geriet im Januar in die Kritik, als er den Obersten Richter wegen Korruptionsbedenken suspendierte, ohne wie vorgeschrieben andere Teile der Regierung zurate zu ziehen. Außerdem hat er offenbar gesundheitliche Probleme: Er verbrachte mehr als 150 Tage außerhalb des Landes für eine bislang nicht näher beschriebene medizinische Behandlung. Bei seiner abschließenden Wahlkampfkundgebung am Donnerstag sprach Buhari nur wenige Minuten.

Abubakar erinnert mit seinem Slogan "Lasst uns Nigeria wieder funktionsfähig machen" an US-Präsident Donald Trump, der mit dem Motto "Make America great again" geworben hatte. Bei einem Wahlsieg will er das wichtige staatliche Ölunternehmen von Nigeria privatisieren und bis 2025 50 Millionen Menschen aus der Armut holen. Es ist ihm aber nicht gelungen, jahrelange Korruptionsvorwürfe gegen ihn zu entkräften.

Beobachter fürchten Ausschreitungen

Sollte der Amtsinhaber Buhari verlieren und sich weigern, Abubakars Sieg anzuerkennen, könnte Gewalt drohen. Nach der umstrittenen Wahl 2011 waren etwa 1.000 Menschen bei Ausschreitungen ums Leben gekommen. 2015 hingegen war ein weitgehend friedlicher Machtwechsel gelungen, nachdem Präsident Goodluck Jonathan seine Niederlage eingeräumt hatte. Damals waren die Wahlen um sechs Wochen wegen Sicherheitsbedenken verschoben worden, allerdings mit mehr Vorlauf.