Nach dem angekündigten Abzug der US-Soldaten aus Syrien wollen die Außenminister der Anti-IS-Koalition an diesem Mittwoch in Washington über den weiteren Kampf gegen die Terrormiliz beraten. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte vor seinem Abflug nach Washington, "in Syrien haben wir noch keine Klarheit darüber, wie nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen ein Vakuum vermieden werden kann, damit nicht alte Konflikte erneut eskalieren und (der) IS wieder Fuß fassen kann". Er erhoffe sich dazu bei den Gesprächen in Washington mehr Informationen. Die Gefahr, die vom IS in Syrien und Irak ausgehe, sei "bei Weitem nicht gebannt".

Trump hatte im Dezember angekündigt, die derzeit nach seinen Angaben noch rund 2.000 US-Soldaten in Syrien zurück in die USA zu bringen. Einen Zeitplan hat er bislang nicht vorgelegt. Der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan hatte vergangene Woche gesagt, der IS sei in Syrien aus mehr als "99,5 Prozent" des einst von ihm gehaltenen Territoriums vertrieben worden. "Und innerhalb von ein paar Wochen werden es 100 Prozent sein." Dennoch hat die US-Abzugsankündigung international erhebliche Sorgen ausgelöst.

Auch das US-Verteidigungsministerium hatte zuletzt in einem Bericht gewarnt, ohne entsprechenden Druck könnte der IS "wahrscheinlich innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben" und einen Teil des verlorenen Geländes zurückgewinnen. Im Einsatzgebiet der US-Truppen im Osten Syriens verblieben rund 2.000 IS-Kämpfer.

In dem Bericht hieß es, der IS sei immer noch zu Offensiven in der Lage. Die von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kämpften weiter gegen den IS, seien aber stark auf Unterstützung der Koalition angewiesen. Die Türkei, die Teil der Koalition ist, betrachtet die YPG als Terrororganisation. Das Pentagon verweist darauf, dass die Türkei seit 2017 an keinen Bodenoperationen gegen den IS teilgenommen habe.

"Werden zurückkommen, wenn wir müssen"

Das US-Außenministerium teilte vor dem Treffen in Washington mit, die USA seien entschlossen, ein Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien nach dem Truppenabzug aus Syrien zu verhindern. Trump will sich am Nachmittag an die Außenminister der Koalition wenden, die 74 Staaten sowie Nato und EU umfasst.

Der US-Präsident hatte dem Sender CBS vor wenigen Tagen zu einem möglichen Wiedererstarken des IS gesagt: "Wir werden zurückkommen, wenn wir müssen. Wir haben sehr schnelle Flugzeuge, wir haben sehr gute Frachtflugzeuge." Er betonte, die USA würden Soldaten im Irak belassen. Vom Irak aus würden die USA den Iran überwachen. Zugleich würden die Truppen von dort aus den IS bekämpfen, während die US-Soldaten aus Syrien "langsam" abzögen.

Trump hatte seine Abzugspläne kurz vor Weihnachten damit begründet, dass der IS geschlagen sei. Auf Twitter schrieb er damals: "Wir haben den IS in Syrien besiegt." Der US-Senat stimmte hingegen am Dienstag mit großer Mehrheit gegen einen schnellen Truppenabzug aus Syrien und Afghanistan.