Die türkische Staatsanwaltschaft hat die Festnahme von 295 Soldaten angeordnet. Sie sollen mit der Organisation des ehemaligen Imams Fethullah Gülen in Kontakt stehen. Unter den 295 Militärangehörigen sind ranghohe Offiziere, berichten türkische Medien.

Die Deutsche Welle Türkçe meldet, dass Haftbefehle gegen zwei Oberste, einen Oberstleutnant, acht Majore, zehn Hauptmänner, 73 Oberleutnants, acht Leutnants, 185 Feldwebel und acht Stabsunteroffiziere ausgestellt wurden.

Türkische Medien wie die Cumhuriyet berichten, unter den Beschuldigten seien 147 Angehörige der Landstreitkräfte, 22 Soldaten vom Gendarmerie-Kommando, 27 Angehörige der Luftwaffe, 91 Marinesoldaten und acht Offiziere der Küstenwache.

Die Soldaten sollen für die Fetö (Fethullahçı Terör Örgütü, deutsch: Fethullahistische Terrororganisation) aktiv gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, auffällige Telefonate von Festnetztelefonen und öffentlichen Telefonkabinen aus geführt zu haben. Auf diese Weise sollen sie mit Kontaktpersonen in der Gülen-Bewegung kommuniziert haben.

Die Existenz der Terrororganisation Fetö ist bislang nicht belegt. In der Türkei wird der Name vor allem als politischer Kampfbegriff gebraucht. Auch an der Verantwortung Gülens für den Putschversuch von 2016 gab es frühe Zweifel. Zahlreiche Verhaftungen wurden seit dem Putschversuch mit einer angeblichen Mitgliedschaft in dessen Bewegung begründet.

Bisher wurden mehr als 77.000 Menschen unter dem Vorwurf festgenommen, rund 150.000 Beschäftigte, unter anderem in Justiz, Verwaltung und Bildungsbereich, wurden entlassen oder vom Dienst suspendiert. Gülen, der sich in den USA im Exil aufhält, hat eine Beteiligung an dem gescheiterten Putsch wiederholt bestritten. Die Türkei fordert seine Auslieferung.