Die türkische Regierung hat den Umgang Chinas mit der Bevölkerungsgruppe der muslimischen Uiguren als "große Schande für die Menschheit" bezeichnet. Hami Aksoy, Sprecher des Außenministeriums in Ankara, sagte in einer Stellungnahme, es sei "kein Geheimnis mehr", dass chinesische Behörden "mehr als eine Million willkürlich verhaftete" Uiguren in Lagern und Gefängnissen "Folter und politischer Gehirnwäsche" aussetzten. Aksoy forderte China auf, diese "Internierungslager" zu schließen. Doch auch solche Mitglieder der ethnischen Gruppe, die nicht interniert seien, befänden sich in China unter "starkem Druck". Die Uiguren sind ein Turkvolk, das in der Region Xinjiang im Westen Chinas beheimatet ist.

Die Regierung in Ankara rief die internationale Gemeinschaft und UN-Generalsekretär António Guterres zum Handeln auf. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte China aufgrund seines Vorgehens gegen Uiguren einst sogar "Genozid" vorgeworfen. Seither hat seine Regierung die diplomatischen und ökonomischen Beziehungen zu China jedoch vertieft.

Der türkische Außenamtssprecher Aksoy bezog sich in seiner Stellungnahme auch auf den mutmaßlichen Tod des uigurischen Dichters und Musikers Abdurehim Heyit, der vor Kurzem in chinesischer Haft gestorben sein soll, was bislang jedoch nicht unabhängig bestätigt werden konnte. Der bekannte Lautenspieler war auf Grundlage eines Liedtextes zu acht Jahren Haft verurteilt worden, weil er eine terroristische Bedrohung darstelle. Seine Festnahme hatten einige Beobachter so interpretiert, dass die Volksrepublik nun stärker gegen uigurische Intellektuelle und Kulturschaffende vorgehe, um Sprache und Identität der Volksgruppe auszulöschen. Zahlreiche Uiguren sind inzwischen aus der Region Xinjiang geflohen, viele von ihnen in die Türkei. In Xinjiang sind bei Unruhen in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Auch die UN sprechen von mehr als einer Million Inhaftierten

Das UN-Komitee zur Bekämpfung von Rassendiskriminierung hatte bereits im vergangenen Jahr berichtet, mehr als eine Million Angehörige des uigurischen Volkes würden in chinesischen Einrichtungen festgehalten, die geheimen Internierungslagern ähnelten. Deren Existenz hatte Chinas Führung lange Zeit bestritten, im Oktober vergangenen Jahres wurden die Lager dann jedoch per Gesetz nachträglich legalisiert. Seither ist die Inhaftierung Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren ebenso erlaubt wie "ideologische Erziehung gegen Extremismus, psychologische Behandlung und Verhaltenskorrekturen". Wie viele Uiguren in diesen Lagern inhaftiert sind und wie lange sie festgehalten werden, teilt die chinesische Regierung offiziell jedoch nicht mit. Sie rechtfertigt ihr Vorgehen mit extremistischen Strömungen in Xinjiang und macht Uiguren für blutige Unruhen und Terroranschläge verantwortlich.

Die chinesische Botschaft in Ankara verwehrte sich nun auch unmittelbar gegen die Kritik des türkischen Außenministeriums. In einem Statement forderte sie laut der Nachrichtenagentur Associated Press die Türkei auf, ihre "falschen Anschuldigen zurückzunehmen". Wie die Türkei stehe auch China vor der Aufgabe, Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen, hieß es in der Mitteilung weiter. In dieser Frage dürfe nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.