Donald Trump ist nicht besonders einfallsreich, wenn es darum geht, politische Gegner herabzusetzen. Der US-Präsident greift gern auf stereotype Bilder zurück. Die sind einfach zu merken, leicht zu twittern und kommen bei seiner männlichen Kernzielgruppe gut an.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren beispielsweise, die am Wochenende offiziell ihre Präsidentschaftskandidatur für 2020 verkündet hat, nennt er "Pocahontas". Pocahontas ist nicht nur Titel eines Disney-Films, es ist auch der Name der Tochter des Häuptlings Powhatan-Sachem, und damit eines Stamms der amerikanischen Ureinwohner. Warren reklamiert für sich, von Native Americans abzustammen, und hat das mit der Veröffentlichung eines DNA-Tests im vergangenen Jahr belegt. Warrens Umgang mit ihrer Herkunft ist in den USA umstritten, Trump jedoch interessiert sich gar nicht für die Fakten, sondern nur für den rassistischen Angriff.

Amy Klobuchar bezeichnete Trump als "Schneemann(frau)", nachdem die Senatorin am Sonntag ihre Kandidatur öffentlich gemacht hatte. Sie sagte, die USA würden mit ihr als Präsidentin dem internationalen Klimaabkommen wieder beitreten.

Es schneite bei Klobuchars Auftritt. Die Gelegenheit für Trump, nicht nur die Senatorin zu einer Figur zu degradieren, sondern erneut die Folgen des Klimawandels infrage zu stellen. Wenn es schneit, könne es ja keine globale Erwärmung geben.

US-Senatorin Amy Klobuchar würde auch gern gegen Donald Trump antreten. © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Will sich Trump aber gegen sämtliche Gegnerinnen mit rassistischen oder frauenfeindlichen Spitznamen wehren, wird er einiges zu tun haben. Denn nach den Kongresswahlen im November 2018, bei denen Frauen mehr Sitze als jemals zuvor gewonnen haben, wird der weibliche Widerstand in der Demokratischen Partei zunehmend sichtbar und erreicht den Präsidentschaftswahlkampf. Mit Elizabeth Warren, Amy Klobuchar, Kamala Harris, Kirsten Gillibrand und Tulsi Gabbard bewerben sich bereits fünf Frauen um die Präsidentschaftskandidatur. Ermutigend für die Partei, die seit Trumps Präsidentschaft wie gelähmt schien.

Auf die Schockstarre von Hillary Clintons Niederlage folgte in der undankbaren Oppositionsrolle keine wirklich inhaltliche Strategie. Was nicht hieß, dass die US-Demokraten nichts taten, doch an die Öffentlichkeit gelangte vor allen Dingen eine Botschaft: Trump ist böse, Trumps Pläne sind ungerecht und schlecht, der Präsident muss weg. Programmatisch kam die Partei nicht an gegen einen Präsidenten, der jede seiner Aktionen lautstark auf allen Kanälen verbreitet.

Das änderte sich mit den Kongresswahlen im vergangenen Herbst. 127 Frauen gehören ihm jetzt an, davon sind 106 Demokratinnen. Mit Alexandria Ocasio-Cortez ist eine Demokratin Teil des Kongresses geworden, die schon jetzt bei den meisten Amerikanern bekannter ist als manche Präsidentschaftskandidatin. Sie nutzt Instagram wie Twitter für sich, tanzt als Reaktion auf Republikaner, die tanzende Frauen skandalös finden. Sie trägt mit allen anderen Demokratinnen Weiß bei Trumps Rede vor dem Kongress. Sie wirbt mit dezidiert linken Ideen, zuletzt mit ihrem Vorstoß eines Green New Deal, wonach die Amerikanerinnen und Amerikaner in zehn Jahren zu 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen sollen.


Man kann Ocasio-Cortez' Inszenierung für zu viel halten, Nancy Pelosi, die mächtige Grande Dame der Demokratinnen im Kongress, die Trump im Haushaltsstreit mehrfach hat auflaufen lassen, gilt nicht als größter Fan von Ocasio-Cortez und ihren Ideen. Doch die Aufmerksamkeit nimmt sie wie alle in der Partei dankend an.