Nach dem Vorwurf antisemitischer Äußerungen hat die muslimische US-Abgeordnete Ilhan Omar um Entschuldigung gebeten. Auf Twitter schrieb die 37-Jährige:

Antisemitismus sei real und sie bedanke sich bei jüdischen Verbündeten und Kollegen für Aufklärung über die schmerzhafte Geschichte antisemitischer Sprachbilder. "Es war nie meine Absicht, meine Wählerinnen und Wähler oder die jüdische Bevölkerung Amerikas generell zu beleidigen", schrieb Omar. Sie achte und beherzige die Kritik, weshalb sie sich unmissverständlich entschuldige. Die Arbeit von Lobby-Organisationen halte sie in der US-amerikanischen Politik aber weiterhin für problematisch – die des Aipac ebenso wie die der Waffenindustrie oder der Industrie für fossile Brennstoffe.

Am Wochenende hatte Omar den Einfluss der Lobbyorganisation American Israel Public Affairs Committee (Aipac) auf US-Abgeordnete kritisiert. Der Organisation ist es zwar verboten, Geld an Kandidatinnen und Kandidaten zu spenden, die mehr als 100.000 Mitglieder würden aber ermuntert, als Privatperson zu spenden. Mit derartigen Wahlkampfspenden wolle das Aipac eine proisraelische Haltung fördern. Omar hatte getwittert, es gehe nur um "Benjamins", womit sie auf die 100-Dollar-Note anspielte, die das Konterfei von Benjamin Franklin zeigt. Nach Einschätzung des US-Magazins Politico bedient diese Argumentation antisemitische Stereotype.

Vertreterinnen und Vertreter der Demokratischen Partei warfen Omar daraufhin Antisemitismus vor. Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, hatte sich am Montag zu dem Vorfall geäußert und gesagt, Omar habe vorurteilsbehaftete Anklagen gegen Unterstützer Israels vorgebracht und antisemitische Metaphern verwendet, die zutiefst beleidigend seien. Republikanische Abgeordnete forderten die Demokraten auf, Omar ihren Sitz im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses zu entziehen.

Im November 2018 war Ilhan Omar als erste somalisch-amerikanische Abgeordnete in den Kongress gewählt worden. Sie ist eine von zwei muslimischen Delegierten.