Der Amazon-Gründer Jeff Bezos hat dem US-Boulevardblatt National Enquirer Erpressung vorgeworfen. In einem offenen Brief auf dem Portal Medium erklärte der Unternehmer, das Blatt habe mit der Veröffentlichung intimer Privatfotos gedroht, falls er von ihm initiierte Untersuchungen gegen die Zeitschrift nicht einstellen sollte. Laut eigenen Angaben sollte Bezos außerdem eine Erklärung abgegeben, dass der National Enquirer in seiner Berichterstattung nicht politisch motiviert oder beeinflusst sei.

Der National Enquirer hatte vergangenen Monat einen Bericht über eine außereheliche Affäre von Bezos veröffentlicht. In der Folge beauftragte Bezos ein Team aus Privatermittlern damit, herauszufinden, wie der National Enquirer an anzügliche Textnachrichten zwischen ihm und der früheren TV-Nachrichtensprecherin Lauren Sánchez gekommen sei.

In seinem offenen Brief beschuldigt Bezos den Chef des Enquirer-Verlags American Media Inc. (AMI), David Pecker, hinter dem Erpressungsversuch zu stehen. Pecker ist ein langjähriger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump und der halte ihn wohl "fälschlicherweise für seinen Feind", schrieb der Eigentümer der Washington Post in seinem Brief.

Statt sich der Erpressung zu beugen und dem Vorschlag eines geheimen Deals mit AMI zuzustimmen, habe er sich entschlossen, die Drohungen publik zu machen, schrieb Bezos. "Sie sagten, sie hätten mehr Textnachrichten und Fotos, die sie veröffentlichen würden, wenn wir unsere Untersuchung nicht einstellen würden", schrieb der Unternehmer. Dazu stellte er E-Mails, die nach seiner Darstellung aus dem Hause von American Media Inc. stammen.

Bezos, 54, ist der Gründer und Vorstandschef des US-Internetriesen Amazon und laut Forbes der derzeit reichste Mensch der Welt. Das US-Magazin schätzte sein privates Vermögen zuletzt auf rund 136,9 Milliarden Dollar (118,8 Milliarden Euro). Die von ihm gekaufte Washington Post zieht mit ihrer kritischen Berichterstattung über den Präsidenten immer wieder den Unmut Trumps auf sich.

"Natürlich will ich keine persönlichen Fotos veröffentlicht sehen"

David Pecker und der National Enquirer sorgen immer wieder für Schlagzeilen, auch im Zusammenhang mit Donald Trump. So veröffentlichte das Trump wohlgesonnene Skandalblatt während des Präsidentschaftswahlkampfs unter anderem das Foto einer vermeintlich vom Tode gezeichneten Hillary Clinton. Der Titel: "Hillary: Noch sechs Monate zu leben".

Außerdem spielten Pecker und sein Verlag eine Rolle in der Schweigegeldaffäre um Trump. American Media Inc. (AMI) zahlte dem ehemaligen Playmate Karen McDougal, die behauptet, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben, 150.000 US-Dollar für die Rechte an ihrer Geschichte. Der National Enquirer veröffentlichte diese aber nie. AMI gab im Dezember zu, das Geld bezahlt zu haben. Das Unternehmen bestritt aber das angebliche Ziel dahinter, die Affäre im Verborgenen zu halten.

Den Arbeitsmethoden des Verlagsimperiums von Pecker hat Bezos nun den Kampf angesagt. "Wenn ich mich in meiner Position nicht gegen diese Erpressung erheben kann, wie viele Leute können es dann?", fragt er in seinem offenen Brief. "Natürlich will ich keine persönlichen Fotos veröffentlicht sehen, aber ich werde auch nicht bei ihren allseits bekannten Erpressungsmethoden mitmachen, bei ihren politischen Gefälligkeiten, politischen Attacken und Korruption." Er habe sich stattdessen dafür entschieden, den Spieß umzudrehen und zu "sehen, was dadurch zum Vorschein kommt".