Juan Guaidó - »Wir haben in Venezuela einen Diktator« Oppositionsführer Juan Guaidó will nicht auf das Gesprächsangebot von Präsident Nicolás Maduro eingehen. Die Krise in Venezuela sei nicht im Dialog zu lösen, sagt Guaidó. © Foto: Andres Martinez Casares/Reuters

Der selbst ernannte Übergangspräsident in Venezuela, Juan Guaidó, hat weiteren Gesprächen mit dem sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro eine Absage erteilt. "Die Krise in Venezuela ist mit einem Dialog nicht zu lösen", sagte Guaidó in einem Interview mit dem mexikanischen Fernsehsender Milenio TV.

Zuletzt hatten Mexiko und Uruguay zu einer internationalen Konferenz eingeladen, die eine Basis für neue Gespräche zwischen der Regierung und der Opposition in Venezuela schaffen sollte. Doch Guaidó verkündete, dass er an dem Treffen in Montevideo nicht teilnehmen werde. "Maduro ist ein Diktator", sagte der 35-Jährige in einem Gespräch mit dem kolumbianischen Sender NTN24. "Wenn er von Dialog spricht, will er nur Zeit gewinnen." Verhandlungen zwischen Maduro und der Opposition waren bereits 2017 in der Dominikanischen Republik gescheitert.

International erzielt der Gegenkandidat Maduros unterdessen weitere Erfolge. Am Donnerstag erkannte das EU-Parlament ihn als rechtmäßigen Übergangsstaatschef an. Deutschland und mehrere andere europäische Staaten haben Maduro ein Ultimatum bis Sonntag gestellt, um freie und faire Neuwahlen auszurufen. Andernfalls wollen sie Guaidó wie bereits die USA und eine Reihe lateinamerikanischer Länder als legitimen Interimsstaatschef anerkennen.

Die EU-Staaten beschlossen zudem die Gründung einer Kontaktgruppe, die Bemühungen um demokratische Wahlen in Venezuela unterstützen soll. Die Gruppe aus europäischen und lateinamerikanischen Ländern wird laut EU-Außenbeauftragter Federica Mogherini aber keine offizielle Vermittlerrolle übernehmen.

USA rufen Europäer zu Anerkennung Guaidós auf

Für die USA ist das offenbar nicht genug. Sie richteten sich am Donnerstag mit einem Appell an die EU-Staaten. "Wir ermutigen alle Regierungen in Europa, das Volk von Venezuela und die Übergangsregierung in Venezuela zu unterstützen, indem sie Guaidó als Übergangspräsidenten anerkennen", sagte die für Lateinamerika zuständige US-Diplomatin Kimberly Breier. Inzwischen hätten schon mehr als 20 Staaten den oppositionellen Parlamentspräsidenten als Übergangspräsidenten anerkannt.

Guaidó hatte sich am 23. Januar als Übergangspräsident vereidigen lassen. Maduro kann bisher auf die Unterstützung des Militärs zählen. Allerdings versucht Guaidó seit Tagen, die Streitkräfte auf seine Seite zu ziehen. Unter anderem versprach er den Soldaten Straffreiheit, wenn sie ihn unterstützen.

Auch Maduro will sich der Loyalität der Soldaten versichern. In den vergangenen Tagen zeigte er sich immer häufiger bei Militärübungen oder im Kreise von Soldaten. Maduro warnte zudem vor einer US-Militärinvasion in Venezuela und rief zur Verteidigung des Landes auf. Aus Washington hieß es zuletzt, angesichts der Krise in dem südamerikanischen Land seien "alle Optionen auf dem Tisch".

Venezuela - Mehrere EU-Staaten fordern Neuwahlen Deutschland und andere EU-Staaten haben Nicolás Maduro eine Frist für Neuwahlen gesetzt. Sie kündigten an, ansonsten den Oppositionsführer als Präsidenten anzuerkennen. © Foto: Ariana Cubillos/AP Photo/dpa

Guaidó wies militärische Hilfe der USA beim Versuch der Regierungsübernahme allerdings als unerwünscht zurück. Er schloss sie auch nicht völlig aus. "Hier in Venezuela tun wir alles, was wir können, um Druck aufzubauen, sodass es nicht zu einem Szenario kommt, das niemand möchte", sagte Guaidó dem US-Sender CNN.

Die USA hatten Guaidó als erstes Land direkt nach seiner Vereidigung in der vergangenen Woche als legitimen Staatschef anerkannt und den Druck auf Maduro immer weiter erhöht. Zuletzt verschafften sie dem Oppositionsführer Zugang zu Konten der venezolanischen Regierung in den Vereinigten Staaten.