Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó hat erneut eine Absetzung des sozialistischen Staatschefs Nicolás Maduro und baldige Neuwahlen gefordert. Der Weg seines Landes sei "klar von Anfang an", schrieb der Oppositionspolitiker auf Twitter und listete drei Schritte auf: "1. Die Unterdrückung beenden. 2. Übergangsregierung. 3. Freie Wahlen." Daran arbeite man täglich.

Zuvor hatte er sich laut einem weiteren Tweet mit Bürgermeistern getroffen, um die Einfuhr vorgesehener Hilfsleistungen aus dem Ausland zu planen. Sie sollten diejenigen erreichen, "die in einer kritischen Lage" leben, schrieb Guaidó.

Die USA, Kanada, die EU und Deutschland haben Venezuela Hilfe zugesagt. Zu den dringend benötigten Gütern gehören Nahrungsmittel und Medikamente. Sie sollen Venezuela über die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien erreichen. Gelingt es Guaidó und seinen Unterstützern, die Lieferungen in das Land zu bringen, dürfte ihnen das viel Anerkennung unter der Bevölkerung verschaffen.

Nach Angaben der Opposition blockierten venezolanische Soldaten jedoch einen Grenzübergang zu Kolumbien, über den Hilfsgüter ins Land gelangen sollen. Ein Tanklastwagen und ein riesiger Container versperrten am Dienstag die Tienditas-Brücke zwischen den Nachbarstaaten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der oppositionelle Abgeordnete Franklyn Duarte sagte, der Übergang zwischen der venezolanischen Stadt Ureña und der kolumbianischen Stadt Cúcuta werde von Angehörigen der venezolanischen Streitkräfte blockiert.

Donald Trump kritisiert "Brutalität des Maduro-Regimes"

Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro verbreitete unterdessen Tweets seines Außenministers Jorge Arreaza mit Kritik an Donald Trump. Unter dem Hashtag #TrumpLies schrieb Arreaza anlässlich der Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation: "32 Millionen Menschen in den USA haben noch keine Krankenversicherung" und "Mehr als 2737 Kinder wurden zwischen Juni 2017 und November 2018 an der US-Grenze willkürlich von ihren Eltern getrennt".

Oppositionschef Guaidó hatte sich vor knapp zwei Wochen selbst zum Übergangspräsidenten erklärt und Staatschef Maduro damit offen herausgefordert. Die USA, viele lateinamerikanische Staaten und bis Dienstag 19 EU-Länder stellten sich bereits hinter den Parlamentspräsidenten.

US-Präsident Donald Trump bekräftigte in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress in Washington seine Unterstützung für Guaidó. "Wir stehen an der Seite des venezolanischen Volkes in seinem edlen Streben nach Freiheit", erklärte Trump. Er verurteile die "Brutalität des Maduro-Regimes", dessen sozialistische Politik Armut und Verzweiflung nach Venezuela gebracht habe. Maduro hingegen wird von Russland, China, dem Iran, der Türkei sowie Kuba, Nicaragua und Bolivien gestützt.

Das südamerikanische Land steckt in einer Wirtschafts- und Versorgungskrise. Wegen fehlender Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Viele Menschen hungern, rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen.