Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó will eine von ihm autorisierte US-Militärintervention in Venezuela nicht ausschließen. Er werde "alles Notwendige" tun, um Menschenleben zu retten, sagte der oppositionelle Parlamentspräsident der Nachrichtenagentur AFP. Ein Eingreifen der USA sei aber ein "sehr brisantes Thema".

Zudem zeigte sich Guaidó davon überzeugt, dass Staatschef Nicólas Maduro von seinen Verbündeten Russland und China keine Hilfe erwarten kann. Moskau und Peking seien sich der Situation in Venezuela bewusst. Sie wüssten genau, "dass Maduro keine Unterstützung in der Bevölkerung hat und die Wirtschaft nicht stabilisieren kann, obwohl er über die größten Ölreserven der Welt verfügt", so Guaidó.

In Venezuela herrscht seit Wochen ein Machtkampf zwischen Staatschef Nicólas Maduro und Guaidó, der sich im Januar zum Übergangspräsidenten ausgerufen hatte. Mittlerweile haben sich etwa 40 Länder hinter Guaidó gestellt, unter ihnen die USA, Deutschland und weitere EU-Staaten sowie eine Reihe südamerikanischer Länder. Maduro kann sich bisher auf die Unterstützung des venezolanischen Militärs verlassen.

Auch die USA hatten eine Intervention der US-Armee in Venezuela zuletzt nicht ausgeschlossen. Präsident Donald Trump halte sich "alle Optionen" offen, hatte der Nationale Sicherheitsberater John Bolton Ende Januar gesagt.

Venezolanisches Militär blockiert Hilfslieferungen

Derweil ist die erste Hilfslieferung aus den USA behindert worden. Zehn Lastwagen mit etwa 100 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln stehen in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta. Sie können den Grenzübergang von Kolumbien nach Venezuela nicht passieren, weil das venezolanische Militär sie nicht ins Land lässt. Bereits vor Tagen hatten die venezolanischen Behörden die Tienditas- Autobahnbrücke mit dem Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Containern gesperrt.

Der venezolanische Präsident Maduro bekräftigte den Stopp der Hilfslieferungen und begründete seine Entscheidung unter anderen damit, dass die USA die humanitäre Krise in seinem Land "erfunden" hätten, um eine "Intervention" zu rechtfertigen. "Venezuela wird diese Show der falschen humanitären Hilfe nicht zulassen, denn wir sind keine Bettler", sagte Staatschef Nicolás Maduro. "Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift."

In Venezuela herrscht eine Wirtschafts- und Versorgungskrise. Wegen fehlender Devisen kann das Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Viele Menschen hungern, rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen.

Angesichts der Not der Bevölkerung und des internationalen Drucks stehen die venezolanischen Soldaten vor einem Dilemma. Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt unter den Venezolanerinnen. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen direkten Befehl von Präsident Maduro.

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Nach Angaben von Guaidó drohen 300.000 Todesfälle, wenn die Hilfslieferungen aus den USA nicht ins Land gelassen werden. Erst am Mittwoch seien acht Kinder unter drei Jahren gestorben, die dehydriert und unterernährt gewesen seien. Guaidó kündigte für die kommende Woche deshalb einen neuen Versuch an, um die Hilfsgüter doch noch ins Land zu bringen.

Zudem appellierte er an das Militär, die Hilfslieferungen über die Grenze zu lassen. "Die Einfuhr dieser Hilfe zu blockieren, könnte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen werden", sagte der Oppositionsführer. Das Militär müsse sich entscheiden, ob es sich "auf die Seite der Verfassung" stelle oder an der Seite eines "zunehmend isolierten Diktators" bleibe, so Guaidó.

Zudem bekräftigte er erneut, sich "unabhängig und autonom" darum zu bemühen, die widerrechtliche Aneignung der Macht durch Maduro zu beenden, eine Übergangsregierung einzusetzen und freie Wahlen zu organisieren.