Der Machtkampf zwischen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó spitzt sich weiter zu. Die Opposition will den Druck auf Maduro erhöhen und rief zu Massenprotesten in ganz Venezuela und im Ausland auf. Mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaften gehen wir gemeinsam auf die Straße, schrieb Guaidó auf Twitter.

Derweil hat sich der Luftwaffengeneral Francisco Yánez Rodríguez als erster ranghoher Militär von Maduro losgesagt und Guaidó als legitimen Staatschef anerkannt. In einem auf Twitter verbreiteten Video rief er das Militär dazu auf, Maduro die Gefolgschaft zu versagen. Der Militär behauptete, dass 90 Prozent der Streitkräfte gegen Maduro seien. Das Oberkommando der Luftwaffe bezichtigte Yánez via Twitter des Hochverrats. Zwar kann Maduro noch immer auf die Rückendeckung durch Venezuelas mächtiges Militär zählen; Guaidó bemüht sich jedoch seit Tagen, auch die Streitkräfte auf seine Seite zu ziehen. Unter anderem versprach er den Soldaten Straffreiheit, wenn sie ihn unterstützen.

Eine Großkundgebung soll am Vormittag Ortszeit vor der EU-Vertretung in Caracas starten und Guaidó zufolge der "größte Protestmarsch in der Geschichte Venezuelas und des Kontinents" werden. Die Sicherheitslage in der venezolanischen Hauptstadt ist angespannt. Es werden Zusammenstöße befürchtet, da auch Maduro seine Anhänger für Samstag auf die Straße gerufen hat. Zeitgleich mit dem Marsch der Opposition will der Staatschef mit einer Kundgebung den 20. Jahrestag der "Bolivarischen Revolution" feiern, mit der sein Vorgänger Hugo Chávez den Ölstaat auf einen sozialistischen Kurs brachte.

Demonstrationen der Opposition werden am gleichen Tag außer in Venezuela auch in den USA, Spanien, Peru, Mexiko und Argentinien erwartet, wo viele Venezolanerinnen und Venezolaner leben. Seit Beginn der Unruhen am 21. Januar wurden in Venezuela nach UN-Angaben 40 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten getötet. Bei Massenprotesten vor gut einer Woche waren außerdem rund 850 Menschen festgenommen worden.

Ultimatum läuft Sonntag ab

US-Vizepräsident Mike Pence stärkte Juan Guaidó vor den geplanten Kundgebungen den Rücken und rief offen zum Sturz von Präsident Maduro auf. "Es ist an der Zeit, die Diktatur von Maduro ein für alle mal zu beenden", sagte Pence in einer Rede vor Exilvenezolanerinnen in Florida. Er sagte, die USA hätten versucht, mit diplomatischem und wirtschaftlichem Druck zu einem friedlichen Übergang zur Demokratie beizutragen. Jetzt würde Maduro gut daran tun, die Entschlossenheit der USA nicht auf die Probe zu stellen. "Es ist nicht die Zeit für Dialog, es ist die Zeit für Taten."

Die USA haben Guaidó bereits als Interimspräsident anerkannt. Mehrere europäische Regierungen hatten Maduro vor einer Woche ein Ultimatum bis Sonntag gestellt: Sollte er bis dahin keine Neuwahl zur Präsidentschaft ansetzen, wollen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien Guaidó ebenfalls als Interimspräsidenten anerkennen.

Venezuela - Mike Pence fordert Rücktritt von Nicolás Maduro Vor den Protesten gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro haben die USA den Druck erhöht. Mike Pence sagte, es sei Zeit, die Diktatur Maduros zu beenden. © Foto: Joe Raedle/Getty Images

China will "allen Parteien entgegenkommen"

Guaidó sprach sich weiterhin für "konstruktive Beziehungen" zu Venezuelas Hauptkreditgeber China aus. Er wolle die bilateralen Abkommen respektieren und sei bereit, "so bald wie möglich" mit der Regierung in Peking in den Dialog zu treten, sagte Guaidó in einem Interview mit der South China Morning Post. "Chinas Unterstützung wird sehr wichtig sein bei der Förderung unserer Wirtschaft und der künftigen Entwicklung."

Damit reagierte Guaidó auf die Zweifel, ob der Machtkampf im Land Auswirkungen auf die wichtigen Beziehungen zu China haben könnte. Maduro hatte bei einem Besuch in China im September Abkommen im Energiesektor und für den Goldabbau abgeschlossen.

Chinas Außenministerium hatte zuvor erklärt, "allen Parteien auf halbem Wege entgegenzukommen". Die langjährige Zusammenarbeit werde nicht beschädigt, "egal, wie die Situation sich verändert", sagte ein Sprecher. Die Volksrepublik hat Venezuela in den vergangenen zehn Jahren Kredite in Höhe von 60 Milliarden Dollar gewährt.