Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat vor einem Bürgerkrieg in dem Land gewarnt. Niemand könne mit Sicherheit sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür sei, sagte Maduro in einem Interview mit dem spanischen Fernsehsender La Sexta. "Alles hängt vom Grad der Verrücktheit und der Aggressivität des Imperiums des Nordens (USA) und von dessen westlichen Verbündeten ab." Maduro äußerte sich in dem am Freitag in seinem Amtssitz aufgezeichneten Gespräch zu den Protesten im Land und dem Machtkampf zwischen ihm und dem selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó. Die USA und andere Staaten haben Guaidó bereits als Übergangsstaatschef anerkannt. Die venezolanische Opposition erkennt die am 10. Januar begonnene weitere Amtszeit von Maduro nicht an, weil bei den Wahlen im Mai 2018 die aussichtsreichsten Gegenkandidaten nicht zugelassen waren.

Der Fernsehsender La Sexta will das komplette Interview mit Maduro am späten Sonntagabend ausstrahlen. Darin äußerte sich der linksnationalistische Politiker aufgebracht: "Wir leben einfach in unserem Land und verlangen, dass sich niemand in unsere internen Angelegenheiten einmischt. Und wir bereiten uns darauf vor, unser Land zu verteidigen." In den Fabriken, in den Universitäten und in verschiedenen anderen Bereichen sei "das Volk dabei, sich (zum Schutz der Regierung) zu bewaffnen". Es handele sich dabei um "Milicianos", die militärisches Training absolviert hätten. Der Interviewer Jordi Évole, einer der angesehensten TV-Journalisten Spaniens, sagte dem Staatschef: "Das, was Sie sagen, macht mir Angst, Herr Maduro." "Wirklich? Mir nicht. Wir werden Venezuela nicht hergeben", antwortete der Machthaber. US-Präsident Donald Trump habe ja die militärische Option auf den Tisch gelegt. "Was soll ein Land da machen? Sich ergeben?", fragte Maduro. Es gebe eine Kampagne, um Venezuela "als Monster, als Diktatur darzustellen".

Trump kündigte am Sonntag an, dass eine militärische Intervention weiterhin nicht ausgechlossen sei. Auf die Frage, was dafür pasiseren müsse, sagte er dem Sender CBS: "Ich möchte das nicht sagen. Aber es ist sicherlich etwas, das auf dem – es ist eine Option." Trump gab zudem an, dass Maduro sich vor etwa einem Monat mit ihm habe treffen wollen. Er habe das abgelehnt. "Ich habe damals so entschieden, weil so viele wirklich furchtbare Dinge in Venezuela passieren." 

An diesem Sonntag läuft ein Ultimatum Deutschlands und sechs weiterer EU-Staaten ab. Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande und Belgien wollen den Oppositionsführer Guaidó als legitimen Übergangsstaatschef anerkennen, falls Maduro keine freien Wahlen ausruft. Diese Frist wies Maduro zurück: "Wir akzeptieren von niemanden Ultimaten! (...) Das ist so, als ob ich der EU sagen würde: 'Ich gebe Euch sieben Tage Zeit, um die Republik von Katalonien anzuerkennen, oder ich ergreife Maßnahmen'." Die internationale Politik könne nicht auf Ultimaten basieren.

Am Freitag hatte Maduro noch vor Zehntausenden Anhängern in Caracas dafür plädiert, dass vorgezogene Parlamentswahlen noch 2019 abgehalten werden könnten. Das Parlament wird von der Opposition kontrolliert, ist aber von Maduro entmachtet worden; dessen Parteigänger beherrschen die mit übergeordneten Vollmachten ausgestattete Verfassungsversammlung. Der Vorschlag wurde als Schachzug gegen Guaidó aufgenommen, dessen Amt als Parlamentspräsident bei einer Neuwahl auf dem Spiel stehen würde.

Wie verhält sich das Militär?

Guaidós Anhänger kamen am Freitag und am Wochenende ebenfalls zusammen. In ganz Venezuela kam es zu Massenprotesten gegen Maduro und seine Politik, die auch zu einer humanitären Notlage in dem südamerikanischen Land geführt hat. Allein in Caracas versammelten sich nach einem Aufruf Guaidós rund 100.000 Menschen. Viele venezolanische Medien zeigten davon allerdings keine Bilder, sondern übertrugen die Veranstaltung Maduros aus Anlass des 20. Jahrestages des Amtseides von Revolutionsführer Hugo Chavez. Große Zeitungen und Fernsehsender werden von Maduros Regierung kontrolliert.

Guaidó rief bei seiner Kundgebung das Militär auf, sich auf seine Seite zu stellen. "Wir wollen nicht nur, dass ihr aufhört, auf Demonstranten zu schießen", sagte er. "Wir wollen, dass ihr Teil des Wiederaufbaus von Venezuela seid." Am Samstag war ein General der Luftwaffe, Francisco Yánez, als erster ranghoher Offizier zur Opposition übergelaufen. Das Oberkommando der Luftwaffe antwortete mit einer Loyalitätsbekundung an Maduro. Yánez sei ein Verräter, der seinen Eid gebrochen habe und sich ausländischen Putschplänen angeschlossen habe. Guaidó sagte, die Demonstrationen würden fortgesetzt, bis Maduro einer Präsidentschaftswahl zustimme, die von internationalen Beobachtern überwacht werde.

Guiadó verspricht humanitäre Hilfe

Der Parlamentspräsident kündigte zudem an, dass die Opposition in den kommenden Tagen versuchen werde, humanitäre Hilfe über drei Grenzpunkte in das Land zu bringen, unter anderem über die kolumbianische Stadt Cúcuta. Das Vorgehen sei ein Test für die venezolanischen Streitkräfte, die sich entscheiden müssten, ob sie die dringend benötigte Hilfe durchließen oder ob sie stattdessen den Befehlen der Regierung von Maduro folgten. Wie die Tageszeitung El Universal berichtete, wird die venezolanische Kirche bei der Verteilung von Hilfsgütern eine zentrale Funktion einnehmen.

Die Venezolanische Bischofskonferenz stellte sich in den Sozialen Netzwerken noch einmal auf die Seite der Opposition. Auf Twitter wiederholte sie eine Forderung des emeritierten Erzbischofes von Caracas, Kardinal Jorge Urosa, der Maduro aufforderte, die Macht abzugeben. Unterdessen brachte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof José Luis Azuaje, ein Eingreifen von UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet ins Spiel. Alle internationalen Organisationen seien willkommen, die zur Beendigung der Gewalt im Land beitrügen.