In der algerischen Hauptstadt Algier haben Zehntausende Menschen gegen eine erneute Präsidentschaftskandidatur des Staatsoberhaupts Abdelaziz Bouteflika demonstriert. Nach Einschätzung von Beobachtern handelte es sich um die bislang größten Demonstrationen seit Beginn der Proteste Ende Februar. Einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge wurden 195 Demonstranten von Sicherheitskräften festgenommen; als Gründe wurden unter anderen Plünderungen genannt. 

Eine offizielle Schätzung der Teilnehmerzahl gab es nicht. Ein Polizeikommandeur vor Ort sagte, er gehe von 500.000 Teilnehmern aus. Auch in vielen anderen Städten wie Oran und Constantine kam es zu Demonstrationen, wie die Nachrichtenwebsite TSA berichtete. 15 Oppositionsparteien und vier Gewerkschaften unterstützten die Proteste.

Viele der Demonstrierenden waren in algerische Flaggen gehüllt, warfen Blumen und sangen. Vor den Protesten hatten Aktivisten Aufrufe verbreitet, unter keinen Umständen gewalttätig zu werden und die Polizei nicht zu provozieren. Einige Demonstrierenden warfen den Polizisten Blumen entgegen und riefen: "Polizei und Volk sind Brüder." 

Polizei setzte Tränengas ein

Die Regierung hatte zuvor die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Mit Menschenketten versuchten die Sicherheitskräfte, Straßen abzusperren. Metro und Straßenbahnen stellten ihren Betrieb ein. Journalisten berichteten, die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Lokalen Medien zufolge gab es mindestens drei Verletzte.

Bouteflika hatte am Donnerstag in einer schriftlichen Botschaft vor "Chaos" angesichts der Massenproteste gewarnt. Der Präsident regiert das nordafrikanische Land seit fast 20 Jahren und will bei der Wahl am 18. April 2019 erneut kandidieren, obwohl er sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und im Rollstuhl sitzt. Derzeit befindet er sich in einer Genfer Klinik.