Mehrere Tausend Studenten sind in Algerien gegen den Präsidenten Abdelaziz Bouteflika auf die Straße gegangen, um seinen Rücktritt zu fordern. Bouteflika hatte zuvor bekräftigt, auch nach dem Ende seiner offiziellen Amtszeit am 28. April Präsident bleiben zu wollen. Die Demonstranten verlangen dagegen, dass der Staatschef dann zurücktritt.

"19. März 1962: Ende des Algerienkrieges. 19. März 2019: Beginn des Systemwechsels", stand auf einem Transparent. Von mehreren Universitäten der Hauptstadt Algier waren Studentinnen und Studenten zur Demonstration gekommen. Auch Professoren, Ärzte und Krankenpfleger schlossen sich den Protesten an. Gemeinsam skandierten sie: "Du hast Algerien ruiniert, du musst gehen!" Laut algerischen Medien und sozialen Netzwerken kam es auch in anderen Städten Algeriens zu Protesten.

Unterdessen setzte der erst Mitte März vereidigte Premierminister Noureddine Bedoui seine Beratungen zur Regierungsbildung fort. Die größten Parteien der Opposition und zahlreiche Gewerkschafter weigerten sich jedoch weiterhin, mit Bedoui Gespräche zu führen. Die regierungsnahe Tageszeitung El Moudjahid warf der Opposition deshalb vor, sich aus einer bequemen Situation über die Regierung zu beschweren, anstatt selbst "die Arena zu betreten" und Reformvorschläge zu machen.

Nach wochenlangen Protesten hatte der 82-jährige Bouteflika von einer erneuten Kandidatur Abstand genommen, zugleich aber die für den 18. April angesetzte Wahl auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit bleibt er bis auf Weiteres im Amt. Eine "Nationale Konferenz" soll unterdessen einen Vorschlag für eine neue algerische Verfassung erarbeiten.

Bouteflika ist seit 20 Jahren an der Macht. Seit einem Schlaganfall sitzt er im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. In der Öffentlichkeit zeigt er sich kaum noch.