Algeriens Militärchef hat die Absetzung von Präsident Abdelaziz Bouteflika gefordert. Stabschef Gaid Salah plädierte in einer Ansprache für die Anwendung von Artikel 102 der algerischen Verfassung. Dieser regelt, dass der Präsident sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht ausführen kann. Der Verfassung nach ist es Sache des algerischen Verfassungsgerichts, den Artikel 102 auszurufen und den Präsidenten damit für amtsunfähig zu erklären.

Die Armee sei der Garant und Hüter der nationalen Unabhängigkeit, sagte Salah. Die Proteste gegen Präsident Bouteflika seien bislang zwar friedlich geblieben, es müsse aber eine Lösung für die Krise gefunden werden.

Gegnerinnen und Gegner Bouteflikas demonstrieren seit Wochen fast täglich, nachdem dieser die für April angekündigte Präsidentschaftswahl auf unbestimmte Zeit verschoben und angekündigt hatte, nach dem Ende seines vierten Mandats am 28. April im Amt bleiben zu wollen. Bouteflika hatte zwar nach der ersten Protestwelle auf eine erneute Kandidatur für die Präsidentenwahl verzichtet. Einem Rücktritt widersetzt er sich aber weiterhin mit der Begründung, er wolle bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung im Amt bleiben. Die Demonstrierenden sehen darin ein Manöver Bouteflikas, um sich und seinem Umfeld möglichst lange die Macht zu sichern.

Der Staatschef regiert das nordafrikanische Land seit 20 Jahren autoritär. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 hat er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Kritiker halten den gebrechlichen 82-Jährigen nicht mehr für denjenigen, der die Macht hat.

Generalstabschef Salah hatte zuletzt gewarnt, das Militär werde kein Chaos während der Demonstrationen zulassen. Dennoch blieben die Soldaten bislang in den Kasernen.