Trotz seiner schweren Krankheit und landesweiter Proteste bewirbt sich Algeriens langjähriger Präsident Abdelaziz Bouteflika für eine fünfte Amtszeit. Der 82-Jährige reiche seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl am 18. April ein, hieß es in einem am Sonntagabend im Staatsfernsehen verlesenen Brief des Präsidenten. Er selbst befindet sich zurzeit in einer Klinik in Genf.

Nach einer Wiederwahl wolle er jedoch nicht mehr die volle Amtszeit absolvieren, sondern vorgezogene Neuwahlen ansetzen. Auch solle im Falle einer Wiederwahl von Bouteflika ein Referendum über eine neue Verfassung stattfinden, hieß es in der schriftlichen Mitteilung. "Ich habe die Bitten der Demonstranten und vor allem die Tausenden von jungen Menschen gehört, die nach der Zukunft unseres Landes gefragt haben", schrieb der Präsident.

Gegen seine Kandidatur gingen im ganzen Land erneut Zehntausende Menschen auf die Straße. Allein in der Hauptstadt Algier nahmen nach Schätzung von Diplomaten etwa 70.000 teil. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstrierenden ein, die zu dem abgeriegelten Verfassungsrat vordringen wollten. Dort müssen die Kandidaten bis Mitternacht ihre Bewerbungen abgeben. Laut algerischen Medienberichten stellten die Behörden am Nachmittag den U-Bahn-Verkehr ein und ließen Straßen sperren, damit sich nicht noch mehr Menschen der Demonstration anschließen konnten. Auch in Annaba, Guelma, Oran und Tiaret gingen Tausende auf die Straße.

Zuletzt war es am Freitag zu Massenprotesten mit Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Nach Angaben der Generaldirektion der Sicherheitskräfte wurden dabei 56 Polizisten und sieben Demonstranten verletzt. 45 Menschen wurden festgenommen. Innenminister Noureddine Bedoui bestätigte, dass ein 56-Jähriger starb. Er sei einem Herzinfarkt erlegen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Algérie Presse Service.

Demonstrationen für mehr Demokratie

Algerien erlebt die größten Proteste seit mehr als zehn Jahren. Seit anderthalb Wochen demonstrieren Zehntausende gegen Bouteflika und für demokratische Reformen. Der 82-Jährige ist seit 1999 Staatsoberhaupt des nordafrikanischen Landes. Seit einem Schlaganfall 2013 ist er auf den Rollstuhl angewiesen und hat große Probleme zu sprechen. Er tritt kaum noch öffentlich auf und musste zuletzt mehrere Treffen mit Staatschefs absagen. Seine Kritiker werfen ihm vor, eine Marionette von Militärs, Familienclans und der einflussreichen Wirtschaftselite des Landes zu sein.

Bislang reichten sechs Kandidaten ihre Bewerbung ein. Bouteflikas Hauptrivale, Ali Benflis, zog seine Bewerbung zurück. Der ehemalige Regierungschef und Generalsekretär von Bouteflikas Partei Nationale Befreiungsfront (FLN) war bereits 2004 und 2014 angetreten und gescheitert. Andere Oppositionspolitiker kündigten aus Protest gegen Bouteflikas Kandidatur ihren Boykott der Wahl an. Die moderate islamistische Partei Algeriens, HMS, hatte entschieden, nicht bei der Abstimmung anzutreten, falls Bouteflika erneut antritt.

Bouteflika hatte bereits 2011 während des sogenannten Arabischen Frühlings Proteste gegen ihn überstanden. Seine Regierung reagierte damals mit leichten Reformen und der Anhebung von Subventionen. Der Preisverfall von Öl und Gas schwächte die Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit liegt nach Angaben der Weltbank bei rund 14 Prozent, bei den unter 25-Jährigen sind es mehr als 24 Prozent.