EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat sich positiv über den ehemaligen faschistischen Diktator Italiens, Benito Mussolini, geäußert und damit Empörung hervorgerufen. Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung "an die ganze Welt" auch "einige positive Dinge getan", sagte Tajani in einem Interview mit Radio24.

"Ich bin kein Faschist, ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Straßen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut", sagte Tajani, der zur konservativen Partei Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört. "Wenn man ein historisches Urteil fällt, muss man objektiv sein", sagte der Parlamentspräsident im Radio.

Der Chef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann, verlangte von Tajani "umgehend eine Erklärung". "Unglaubliche Zitate von Tajani über Mussolini: Wie kann der Präsident des Europäischen Parlaments den Charakter des Faschismus so verleugnen?", twitterte der SPD-Politiker.

Später schrieb Tajani, seine Aussagen seien manipuliert worden. "Ich bin entsetzt über die Manipulation meiner Äußerungen zum Faschismus. Ich bin immer ein überzeugter Antifaschist gewesen, ich erlaube niemandem, etwas anderes zu behaupten. Die faschistische Diktatur, Rassengesetze und Opfer sind das dunkelste Kapitel in der IT/EU-Geschichte", twitterte er.

Mussolini war von 1922 bis 1943 in Italien an der Macht. 1940 trat das Land an der Seite von Hitlerdeutschland in den Zweiten Weltkrieg ein. 1945 wurde Mussolini schließlich von einer Partisanengruppe ermordet. Kritiker werfen Italien seit Langem vor, den Faschismus nicht richtig aufzuarbeiten. Im ganzen Land kann man bis heute Mussolini-Memorabilia kaufen. Und Berlusconi sagte 2013 am Holocaust-Gedenktag, dass Mussolini viele Dinge gut gemacht habe.