Eine Studie des Forschungsinstituts YouGov und des Forum on Geopolitics der Universität Cambridge kommt zum Schluss, dass sich selbst bei den Brexit-Befürwortern Ernüchterung breitmacht. Glaubten im Mai 2017 noch 57 Prozent der Leave-Wähler, der Brexit sei gut für den britischen Arbeitsmarkt, ist der Anteil nun auf 42 Prozent gefallen. Ein ähnlicher Pessimismus hat sich in Bezug auf die Wirtschaft im Allgemeinen eingestellt: Vor zwei Jahren gingen 57 Prozent der EU-Gegner davon aus, dass Großbritannien nach dem Brexit besser dastehen würde, heute sind es nur noch 48 Prozent.

Solche Bedenken werden verstärkt durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen Großbritannien bereits heute steckt. Seit dem Brexit-Entscheid ist das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) geschrumpft, die Produktivität stagniert, die Kaufkraft der Briten hat abgenommen, und der Exportboom, den sich manche vom schwachen Pfund versprochen haben, ist ausgeblieben. Stattdessen hat der Sinkflug von Sterling vielen Unternehmen höhere Importkosten verursacht.

Die chaotischen Szenen während der Brexit-Debatten im Parlament hat vielen Wählern endgültig die Zuversicht geraubt, dass die Regierung die Sache im Griff hat. Der Stopp des Brexit scheint vielen als beste Lösung. Ein Blick auf den Protestzug zeigt, wie breit der Widerstand gegen den EU-Austritt ist: Neben Politikern aus allen großen Parteien sind auch unzählige Anhänger von Labour-Chef Jeremy Corbyn vor Ort, außerdem Grüne und Gewerkschafter

Die Demonstranten glauben kaum, dass sie die Regierung beeinflussen können

Dass sie den Kurs der Regierung beeinflussen können, glauben die Protestierenden an diesem Samstag allerdings kaum. Ihre Hoffnung gilt den EU-freundlichen Parlamentariern. "Wir können den Oppositionspolitikern Rückendeckung geben", sagt Julia Walsh, 61. "Sie sehen, dass sie auf unsere Unterstützung zählen können. Besonders jetzt, wo es richtig losgeht, wird dies entscheidend sein."

Stundenlang dauert die Demonstration. Sie führt vorbei am Trafalgar Square, die Straße hinunter zum Parliament Square, wo die People’s-Vote-Kundgebung stattfindet. "Dies ist der Moment, in dem unsere Chancen am besten stehen", ruft Nicola Sturgeon, Vorsitzende der Scottish National Party (SNP), der Menge zu. Das Parlament soll Theresa May die Kontrolle über den Brexit-Prozess entreißen und die gewährte Fristverlängerung bis 12. April nutzen, um einen längeren Aufschub zu fordern, damit ein zweites Referendum stattfinden kann. "Die Entscheidung soll jetzt erneut dem Volk überlassen werden."