Estland - Reformpartei gewinnt Parlamentswahl Die oppositionelle Reformpartei ist stärkste Kraft im estnischen Parlament. Parteichefin Kaja Kallas wird voraussichtlich die erste Ministerpräsidentin des Landes. © Foto: Raigo Pajula/AFP/Getty Images

Die liberale Reformpartei hat die Parlamentswahl in Estland gewonnen. Dem Endergebnis zufolge erhielt die Reformpartei, die bisher in der Opposition war, 28,8 Prozent der Stimmen. Die regierende Zentrumspartei kam auf 23 Prozent. Die nationalkonservative und europakritische Partei Ekre folgte auf dem dritten Platz – mit einem Anteil von 17,8 Prozent und damit mehr als doppelt so vielen Stimmen wie bei der Wahl zuvor.

Aktuell regiert in Estland die Zentrumspartei von Ministerpräsident Jüri Ratas in einer Koalition mit den Sozialdemokraten und der konservativen Partei Isamaa, was übersetzt Vaterland bedeutet. Schon vor der Wahl hatte sich in Umfragen gezeigt, dass die Unterstützung für die Regierungspartei möglicherweise nicht für eine Mehrheit reicht. Seit knapp drei Jahrzehnten sind in Estland die Zentrumspartei und die Reformpartei abwechselnd an der Macht. Beide Parteien unterstützen die EU- und Nato-Mitgliedschaft Estlands. Mit Kaja Kallas ist seit 2018 erstmals eine Frau Chefin der liberalen Reformpartei.

In Estland kann man online wählen

Seit 2005 ist es in Estland möglich, online zu wählen. 26 Prozent der insgesamt rund eine Million Wahlberechtigten nutzten diese Option und nahmen bis zum 27. Februar im Internet an der Wahl teil.

Das estnische Parlament, das Riigikogu, hat 101 Sitze. Die liberale Reformpartei erhält vier Sitze mehr und damit 34 Mandate, die Zentrumspartei verliert ein Mandat und hat nunmehr 26 Sitze. Schwächste im Parlament vertretene Kraft sind die Sozialdemokraten mit 9,8 Prozent der Stimmen und zehn Sitzen.

Nach Informationen der staatlichen Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bei rund 63 Prozent.