In diesen Wochen, in denen sich das britische Parlament über den Austritt aus der EU zerlegt, in denen Fraktionen, Freundschaften und Familien zerreißen, schaut der deutsche Brexit-Beauftragte im Auswärtigen Amt in Berlin den Livestream, um "die besonderen prozeduralen Abläufe" zu verfolgen. So drückt Axel Dittmann sich aus.

Hinter diesen verklausulierten Worten scheint auch bei Dittmann ein Erschrecken durch. "Ich habe den englischen Parlamentarismus als sehr effizient kennengelernt", sagt der 52-jährige Diplomat. Heute hat er es mit einem England im Ausnahmezustand zu tun. Dittmann war überrascht, wie lange die britische Regierung für jede Antwort auf die europäischen Vorschläge braucht. Wie groß das Drama bei jeder Abstimmung gerät. Wie tief verfeindet die Lager mittlerweile sind, sodass es keine Mehrheit für nichts mehr gibt. Andere nennen das Chaos, Dittmann nennt es "komplex".

Axel Dittmann spricht vorsichtig, spielt das Drama und seine eigene Arbeit eher herunter. Seine Aufgabe sei es nicht, die "Aufgeregtheiten zu verstärken", auf jeden Leitartikel oder Politikertweet einzugehen. "Unser Job ist es, einen Deal hinzubekommen", sagt Dittmann.

Sein Job: Ordnung ins Brexit-Chaos bringen

Ein solcher Deal ist am Dienstagabend in die Ferne gerückt: Das britische Parlament hat auch die nachgebesserte Form des Austrittsvertrags abgelehnt, den Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hat. Was kann jemand wie Dittmann in so einer verfahrenen Situation noch beitragen?

Zunächst einmal begreifen, was vor sich geht. Der deutsche Brexit-Beauftragte ist ein Britenversteher. Schon als Student machte er mit 21 Jahren ein Praktikum in einer englischen Bank. Er schätzt die britischen Diplomaten, seitdem er in den Neunzigerjahren für sechs Monate im Londoner Außenministerium arbeitete. In Krisengebieten in Südosteuropa waren sie später oft seine besten Kollegen. Deshalb ist Axel Dittmann jemand, der tief bedauert, was er jetzt als eine Art Scheidungsnotar tun muss: den Brexit von Berlin aus mit zu planen.

Im Videokonferenzraum des Auswärtigen Amts bespricht er sich mit den Europaspezialisten im Kanzleramt und in den anderen Ministerien. Aus Brüssel kommen die Brexit-Verhandler der Kommission zu ihm, aus Paris und anderen EU-Hauptstädten die Diplomaten und Diplomatinnen, die sich mit Großbritannien beschäftigen. Dittmann verhandelt nicht über den Brexit, das macht die Kommission in Brüssel. Er koordiniert, verbindet, informiert, setzt um. Axel Dittmann muss Ordnung in das Brexit-Durcheinander bringen.