EU-Ratspräsident Donald Tusk hat sich für einen längeren Aufschub des Brexits ausgesprochen. Er werde vor dem EU-Gipfel in der kommenden Woche für eine deutliche Fristverlängerung werben, falls Großbritannien das für nötig halte und sich die Regierung in London einig sei, schrieb Tusk auf Twitter

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) sprach sich für eine Verschiebung des Brexits aus. "Bevor es einen ungeregelten Brexit gibt, dann lieber noch mal eine Ehrenrunde und verschieben", sagt er auf Instagram. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich "ein bisschen erleichtert" nach der jüngsten Abstimmung im britischen Parlament. "Mein Eindruck ist, dass ein sogenannter harter No-Deal-Brexit nun vielleicht ein bisschen unwahrscheinlicher wird, als es noch vor zwei Wochen schien", sagte er. Ein EU-Austritt der Briten wäre ein "herber Rückschlag", aber man werde niemals in die souveräne Entscheidung des britischen Volkes eingreifen.

Eigentlich soll Großbritannien am 29. März dieses Jahres aus der EU austreten. Noch an diesem Donnerstagabend stimmen die britischen Abgeordneten aber über eine mögliche Fristverlängerung ab. Wie das Parlament mitteilte, findet die Abstimmung um 18 Uhr unserer Zeit statt. Zuvor hatten die Abgeordneten am Mittwochabend mit 321 zu 278 Stimmen gegen einen Brexit ohne Austrittsabkommen gestimmt. Auch deshalb wird eine Verschiebung immer wahrscheinlicher.

Premierministerin Theresa May hatte vor der Abstimmung zwei Möglichkeiten vorgeschlagen: So solle es einen kurzen Aufschub bis Ende Juni geben, falls die Abgeordneten bis zum 20. März ihren Austrittsvertrag absegnen. Fällt das Brexit-Abkommen auch bei der dritten Abstimmung durch, will die Regierung laut einem Parlamentsantrag ihrerseits den Brexit über den 30. Juni hinaus aufschieben. In diesem Fall müsste Großbritannien auch an der Europawahl Ende Mai teilnehmen.

Großbritannien - Kein Brexit ohne Deal Das britische Parlament hat sich gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen ausgesprochen. Die Abstimmung am Mittwochabend endete mit 321 zu 278 Stimmen. © Foto: Handout/Reuters