Nach der Eroberung der letzten Bastion der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien haben die syrischen Kurden die Rückholung ausländischer IS-Kämpfer und ihrer Familien gefordert. Die gefangen genommenen Dschihadisten, Frauen und Kinder seien eine "ernste Last und Gefahr für uns", sagte der kurdische Vertreter für auswärtige Angelegenheiten, Abdel Karim Omar, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Es gebe "Tausende" gefangen genommene Kämpfer sowie deren Frauen und Kinder aus 54 Ländern, nicht eingeschlossen Iraker und Syrer. Die Zahlen seien in den vergangenen drei Wochen "massiv gestiegen", sagte Omar.

"Es muss eine Koordinierung zwischen uns und der internationalen Gemeinschaft geben, um sich dieser Gefahr zu stellen", betonte er. Tausende Kinder der Kämpfer seien mit der IS-Ideologie erzogen worden. "Wenn diese Kinder nicht umerzogen werden und nicht wieder in ihre Ursprungsgesellschaft integriert werden, sind sie potenzielle zukünftige Terroristen."

In Syrien wurden seit Dezember nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 8.300 Dschihadisten gefangen genommen, darunter 1.400 Europäer. Während US-Präsident Donald Trump darauf besteht, dass Europa die IS-Kämpfer zurücknimmt, verhalten sich die EU-Staaten überwiegend zögerlich. Viele sehen in ihnen ein Sicherheitsrisiko. Einige Länder haben in Syrien gefangenen Dschihadisten die Staatsbürgerschaft entzogen.

"Eine langfristige und nur schwer einzuschätzende Gefahr"

Zumindest von Teilen der Dschihad-Rückkehrer dürfte "eine langfristige und nur schwer einzuschätzende Gefahr aufgrund ihres freiwilligen und zum Teil jahrelangen Aufenthaltes im vom sogenannten IS kontrollierten Gebiet ausgehen", heißt es beim Bundeskriminalamt (BKA). In der Wiesbadener Behörde wurde nach Angaben einer Sprecherin eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die polizeiliche Themen koordiniert, die mit der Rückkehr von aus Deutschland in den Irak oder nach Syrien ausgereisten Islamisten zu tun haben. Andere Polizeibehörden stocken derzeit auf, um sich mit dem Thema zu befassen.

Die Bundesregierung prüft derweil, ob und wie deutsche Dschihadisten in Deutschland vor Gericht gestellt werden können. In den Kampfgebieten begangene Verbrechen lassen sich aber nur schwer nachweisen, wie die Bundesregierung betont. Eine Rückholung sei "außerordentlich schwierig zu realisieren", hob Außenminister Heiko Maas (SPD) unlängst hervor.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) einigten sich inzwischen auf eine Gesetzesinitiative, wonach Extremisten mit mehr als einer Staatsangehörigkeit der deutsche Pass entzogen werden kann. Dies soll allerdings nur gelten, wenn die Betroffenen ab Inkrafttreten des Gesetzes für eine Dschihadistenmiliz an Kampfhandlungen teilnehmen.

Von den mehr als 1.050 Dschihadisten, die sich von Deutschland aus auf den Weg nach Syrien oder in den Irak gemacht haben, ist nach Angaben des BKA inzwischen rund ein Drittel wieder in Deutschland. Die Beratungsstelle Deradikalisierung Hayat geht nach ihr vorliegenden Schätzungen davon aus, dass in Syrien und im Irak zwischen 100 und 150 Deutsche – Erwachsene und Kinder – inhaftiert sind.

Nach Kämpfen hatten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Samstag den letzten Rückzugsort der Dschihadisten in Baghus erobert. Nach Angaben der kurdisch-arabischen Allianz verließen seit Januar rund 66.000 Menschen die Ortschaft, darunter 5.000 Dschihadisten und 24.000 Angehörige. Die Kämpfer wurden gefangen genommen und ihre Familien in Lager im Nordosten Syriens gebracht.